Von Friederike Ostermeyer

Ist hier die Zeit stehen geblieben? Man muss sich unweigerlich die Augen reiben, wenn man zum ersten Mal die Puszta in Ungarn besucht. Menschen sind mit Pferdekutschen unterwegs, Hirten hüten ihre Rinder- und Schafherden in bunten Trachten und dann ist da diese scheinbar unendliche Weite der Landschaft, die hier und da von hölzernen Ziehbrunnen und kleinen Bauernhöfen unterbrochen wird. In den Gasthöfen im Csárda-Stil spielen Musiker volkstümliche Musik, während die Gäste herzhafte Speisen genießen, von denen die meisten irgendwas mit Paprika zu tun haben. Es ist ein wohliges „Wie-Früher-Gefühl“, das Romantiker und Nostalgiker hier auskosten können.

Größte zusammenhängende Grassteppe Europas

Tradition, Naturerfahrung, Besinnung – damit punktet die Region bei ihren Besuchern. Der Name Puszta bedeutet ursprünglich so viel wie „Einöde“ oder „Weideland“. Einst gab es in der Tiefebene, die ungefähr zwei Autostunden östlich von Budapest liegt, kaum Vegetation und konnte deshalb nur für die Viehhaltung genutzt werden. Mittlerweile ist die Landschaft weitgehend kultiviert worden. An einigen Orten, wie zum Beispiel im Nationalpark Hortobágy, kann man aber noch die originale Steppe finden. Diese gilt heute  als die größte natürlich zusammenhängende Grassteppe Europas.

Beispielhafte Koexistenz zwischen Mensch und Natur

Das Besondere sind die vielen Tierarten, denen man hier begegnet. Graurinder, Nonius-Pferde, Wollschweine und Zackelschafe  sind typisch für diese Region. Die Pferdehirten, Czikós genannt, laden die Besucher zu entspannten Kutschfahrten ein oder zeigen ihr Können während ihren waghalsigen Vorführungen. Auf zwei Pferden stehend, rauschen sie mit wehenden Gewändern am staunenden Publikum vorbei. Man spürt, dass die Beziehung zwischen Mensch und Tier hier über Jahrhunderte gewachsen ist und auf gegenseitigem Respekt beruht.

Viele Bauern haben auch in den letzten Jahren auf biologische Landwirtschaft umgestellt. Für diese beispielhafte Koexistenz zwischen Mensch und Natur verlieh die UNESCO dem Bioreservat Hortobágy 1999 den Titel „Teil des Weltkulturerbes“. Noch mehr Natur gibt es am nahegelegenen Theiß-See. Hier leben fast 350 verschiedene Vogelarten, von denen ein großer Teil unter Schutz steht. Er ist nach dem Plattensee der zweitgrößte See des Landes und gilt noch als Geheimtipp. Auch sprudeln, wie fast überall in Ungarn, in dieser Gegend viele heiße Thermalquellen aus dem Boden.  Einer der bekanntesten Thermalkurorte ist die südlich des Nationalparks gelegene Kleinstadt Hajdúszobozló.

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