Von Friederike Ostermeyer

Da stehen sie nun alle: Marx, Engels, Lenin, Stalin und all die anderen Helden des Kommunismus. Mit stolzem Blick, kämpferisch nach vorne gerichtet, scheinen sie nicht zu ahnen, dass sie längst Waisenkinder der Geschichte geworden sind. Als große Statuen zierten sie einst die Straßen und Plätze Ungarns, um die Menschen an den Realsozialismus zu erinnern. Doch dann kam die Wende, der Sozialismus verlor seine Realität und es stellte sich die Frage: Wohin mit all den in Ungnade geratenen Idolen, den händeschüttelnden Arbeitern und den Fahnen schwenkenden Bauern?

Im Jahre 1993 wurde schließlich die Idee des Szoborparks (auch Memento Park genannt) geboren. Eine Art Heim am Rande von Budapest für Monumente und Denkmäler, die keiner mehr wollte. Es gab sogar Stimmen, die die Zerstörung der gefallenen Helden forderten. Heute sind sie jedoch ein wichtiges Zeugnis einer Epoche, die noch nicht ganz so lange her ist.

Statuen aus der Zeit zwischen 1945 und 1989

Insgesamt 42 Statuen aus der Zeit von 1945 bis 1989 stehen auf dem riesigen Privatgelände weitab von Sehenswürdigkeiten wie dem Königlichen Schloss und der Großen Markthalle und blicken sich gegenseitig an - und nicht mehr auf die großen Maiaufmärsche in der Dòza-Straße. Heute dienen sie als lustige Fotomotive. Vor ihnen wird posiert, gegrinst und gelacht. Einige Besucher des Sozborparks schütteln Stalins Hand, andere äffen Lenins strengen Blick nach. Alles Bilder, die gleichzeitig als Erinnerung und als Aufarbeitung dienen. Mittendrin ein geparkter Trabi, der dazu auffordert, doch einmal auszuprobieren, wie viele Menschen da eigentlich hinein passen. Und wer nach dem Hörer des original roten Straßentelefons aus sozialistischen Zeiten greift, lauscht am anderen Ende der Leitung Reden der ehemaligen kommunistischen Führer.  Das alles zusammen löst bei den Besuchern ein Gefühl zwischen Beklemmung, Faszination und Verwunderung aus. Das ist durchaus beabsichtigt – das ist Erinnerungsarbeit ohne große Erklärungen.

Szoborpark: Freilichtmuseum der etwas anderen Art

Kommunistische Arbeiterlieder und Marschmusik schallen aus großen Boxen über den Platz und setzen somit noch einen drauf – wie Musik zu einem Film, dessen Abspann seit Jahrzenten läuft und einfach nicht aufhört. Und während Stalin und Co. unter musikalischer Begleitung vor sich hinwelken und sich langsam Patina auf ihnen breit macht, blüht in der Mitte des Freilichtmuseums eine gigantischer Stern aus roten Blumen. Postmoderne Ironie, könnte man meinen und vielleicht ist der Szoborpark in Budapest auch deshalb ein besonders gutes Beispiel eines distanzierenden und gleichzeitig bewahrenden Umgangs mit einer problematischen Vergangenheit. Am Ausgang, im „Red Star Store“,  wird übrigens „Der letzte Atem des Kommunismus“ in Dosen verkauft. Und der hat sogar kein Mindesthaltbarkeitsdatum.

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Entdecker-Infos

Adresse: Balatoni út
Telefon: 3614247500
Eintritt: 2,50 Euro
Öffnungszeiten: tgl. ab 10 Uhr bis zur Dämmerung
Internet: www.mementopark.hu