Von Friederike Ostermeyer

Zwischen sich windenden Säulen und vergoldetem Stuck spielt ein Pianist im Frack ungarische Kaffeehausmusik. Im Café New York in Budapest, welches sich im Erdgeschoss des gleichnamigen Luxushotels befindet, trifft Gründerzeit-Chic auf Barock. Von den mit rosigen Engelsfiguren bemalten Decken hängen prachtvolle Kronleuchter, die den auf mehreren Ebenen angelegten Saal in magisches Licht tauchen.

Hier traf sich einst die intellektuelle Elite der 20er-Jahre, und so wie damals sitzen heute die Gäste auf mit rotem Samt bezogenen Stühlen an verspiegelten Tischen und genießen kunstvoll angerichtetes Gebäck. Es ist der berühmte Charme der „Belle Epoque“, der einen sofort verzaubert und unweigerlich dazu verführt, mehrere Stunden im Café New York in Budapest zu verbringen. Eine Anekdote besagt, dass der Schriftsteller Ferenc Molnár sich am 23. Oktober 1894, am Tag der Eröffnung, die Schlüssel des Kaffeehauses griff und sie in die Donau warf. So wollte er sicherstellen, dass es niemals seine Türen schließen könne.

Vom Versicherungspalast zum Luxushotel

Gebaut wurde das repräsentative Gebäude Ende des 19. Jahrhunderts von der amerikanischen Versicherungsgesellschaft „New York Life Insurance Company“. Viel Prunk und auch ein bisschen Protz – das war dem Architekten Alajos Hauszmann bei dem Entwurf seines neuen „Palastes“ wichtig. Denn es waren besonders die Neureichen, die als Kunden gewonnen werden sollten.

Das sich von Beginn an darin befindende Café New York nahm gleich drei Etagen dieses Hauses ein und entwickelte sich schnell zum wichtigsten Treffpunkt der ungarischen Kunst- und Theaterszene. Schließlich war es die Weltwirtschaftskrise, die dem Café in den 30er-Jahren jäh ein Ende setzte.

Café New York in Budapest hieß einst Hungaria

Und auch das „Hungaria“, so hieß das Café in der Zeit des Kommunismus, konnte und wollte sich wohl auch nicht mehr an die einst so glanzvollen Zeiten anschließen. Lange war es nach der Wende unklar, was mit dem Kaffeehaus passieren würde, dessen Bausubstanz und Einrichtung Kriege und Regimewechsel weitestgehend unbeschadet überstanden hatte.

Die italienische Hotelgruppe „Boscolo Hotels“, übernahm 2001 das Gebäude und gestaltete es in das Luxushotel "New York Palace Boscolo" mit 107 Zimmern  um. So wurde auch das  weltberühmte Café wieder detailgetreu und liebevoll restauriert. Sechs Jahre dauerte es, bis das Gebäude wieder im neuen Glanz erstrahlen durfte und 2006 wiedereröffnete. Heute ist das Café New York ein Gesamtkunstwerk, das dieses ganz besondere Lebensgefühl der goldenen 20er-Jahre verkörpert – ein Muss für jeden, der Budapest einen Besuch abstattet.

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Entdecker-Infos

Info Café New York, Budapest Erzsébet körút 9-1, täglich 7-22 Uhr
Preise Kaffeespezialitäten und Kuchen 4 bis 5 Euro
Webseite www.newyorkcafe.hu