Von Friederike Ostermeyer

In satten Farben stapelt sich das frische Gemüse in den Auslagen. Hunderte von kleinen Chilischoten und Würsten baumeln über den Köpfen der Marktschreier und leuchten mit den Orangen um die Wette. Nebenan gibt es überzuckerten Kuchen und gegenüber kreischend-bunten Kitsch, wie Häckeldeckchen oder Folklorepuppen.

Die große Markthalle in Budapest reizt vor allem die Sinne. Hier kann man fühlen, schmecken, riechen und hören. Besonders Letzteres, denn gefeilscht wird an jeder Ecke. Es werden Rezepte ausgetauscht und Haushaltstipps gegeben. Manche reden über Politik, andere über das Wetter. Die Atmosphäre wirkt familiär und großstädtisch zugleich. Hier kommen nicht nur Touristen hin, auch für Einheimische ist das imposante Gebäude mit seiner faszinierenden Jugendstil-Stahlkonstruktion seit mehr als 120 Jahren der wichtigste „Supermarkt“ der Stadt. Denn in der Markthalle, die nicht allzu weit von den Rudas-Thermen auf der anderen Seite der Donau entfernt ist und von der es auch nur ein kurzes Stück zum Café New York ist, gibt es (fast) nichts, was es nicht gibt.

Modernste Markthalle des 19. Jahrhunderts

180 Marktstände und Geschäfte befinden sich hier auf drei Etagen. Und von ganz oben hat man auch den schönsten Blick durch die 150 Meter lange Halle mit ihren beiden Seitenschiffen. Als der Architekt Samu Pecz im Jahre 1890 das basilikaartige Gebäude entwarf, gehörte es zu den modernsten Markthallen seiner Zeit. Das Bauwerk ist nicht nur praktisch angelegt, sondern auch mit den beiden schweren Türmen und den mit Säulen und Figuren geschmückten Eingang wunderschön. Man könnte einen Gang durch die Központi Vásárcsarnok, so nennen die Ungarn ihre zentrale Markthalle, auch als Lustwandeln bezeichnen. Einige Produkte dürften allerdings für viele mitteleuropäische Touristen recht ungewohnt zu betrachten sein. So gibt es neben Schnitzel und Gulasch auch ganze Schweinehäute samt Borsten, Schweinenasen, Kalbshirn und andere Innereien zu kaufen. Ganze Ferkel liegen bäuchlings mit leicht entrücktem Blick hinter Glas, als beobachteten sie das Treiben der Kunden. Wer  genau hinsieht, wird auch feststellen, dass die Preise, besonders für Obst und Gemüse, wesentlich günstiger sind als in herkömmlichen Geschäften.

Kleine Bistros mit regionalen Spezialitäten in Budapest

Wer es geschafft hat, jeden der vielen Stände zu betrachten, dürfte spätestens jetzt Hunger bekommen haben. Deshalb gibt es auf den oberen Etagen viele kleine Bistros mit regionalen Spezialitäten. Langos, eine Art frittiertes Brot, sind dort bereits für umgerechnet einen Euro erhältlich. Wer es herzhafter mag, darf sich gefüllte Paprika oder das Szegediner Gulasch nicht entgehen lassen. Verkauft werden hier auch in liebevoller Handarbeit gefertigte Souvenirs, die sich zwischen billiger Industrieware verstecken. Satt und inspiriert von der großartigen Markthallenatmosphäre findet sich dann auch noch ein passendes Mitbringsel für Oma, Bruder oder Onkel.

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Entdecker-Infos

Adresse : Vámház körút 1–3; geöffnet Mo. bis Fr. 6 bis 18 Uhr, Sa. 6 bis 13 Uhr ( www.ungarn-tourismus.de , www.budapestinfo.hu )