Von Ulrich Lenhard

Abwarten und Tee trinken – diesen Spruch darf man in der Türkei, vor allem aber in Anatolien, durchaus ernst nehmen. In Diyarbakir gibt es dazu in der alten Karawanserei Hasan Pasa Hani Gelegenheit. Dort werden nämlich nicht nur Teppiche verkauft. Es gibt einige Teestuben, in denen das Getränk selbstverständlich traditionell zubereitet wird.

Diyarbakir hat eine der ältsten Moscheen

Diyarbakir, eine von vielen Touristen sträflich vernachlässigte Stadt, hat in der Altstadt (Sur) zahlreiche Sehenswürdigkeiten.  Die Ulu-Moschee etwa gehört zu den ältesten überhaupt: 639 wurde sie von einer christlichen Kirche zur Moschee umgewandelt.

Die ursprüngliche Kirche erkennen allerdings nur noch Fachleute. Die Islamisierung und der erste Ausbau Ende des 11. Jahrhunderts haben den ursprünglichen Charakter bereits verändert. Erdbeben, Feuer und weitere Ausbauten haben ein Übriges getan. Noch vorhanden ist die Bausubstanz aus schwarzem Basaltstein, die auf der Südseite am besten erhalten ist. Ansonsten ist ein wilder Stilmix zu sehen.

Hasan Pasa Hani gegenüber der Ulu-Moschee

Gleich gegenüber steht die alte Karawanserei, in der bei einem Glas traditionellen Tees die Jahrhunderte spurlos verstrichen zu sein scheinen. Die zweistöckige Karawanserei erinnert an den Morići-Han in Sarajevo. Das Gebäude diente einst als Unterkunft für Kamele und ihre Halter.

Heute sind im „Stall“ zahlreiche Geschäfte untergebracht, wenn auch nicht nur Teppichhändler, wie einem mancher weismachen will. Dazwischen gibt es kleine und größere Restaurants. Vor allem das Frühstück ist dort hervorragend. Und immer gibt es natürlich Tee. 

Nach einem anstrengenden Bummel durch die Altstadt von Diyarbakir und der Besichtigung der einzigartigen, gut erhaltenen Stadtmauer ist ein Tee in der alten Karawanserei besonders stilvoll.  Vielleicht kann der eine oder andere ein wenig von der Zeit nachempfinden, als reiche Karawanenführer im Hani residierten. Die Situation ist wohl heute noch ähnlich. Innen Luxus, der seine Entsprechung bei den Blauen Teestunden der besseren britischen Gesellschaft findet, draußen teils bittere Armut.

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