Von Dagmar Zurek

Ein Seetag im Mittelmeer zwischen Malta und Istanbul: Fünf Musiker spielen Monteverdi auf dem Pooldeck eines Megaliners. Ihre Zuhörer sind fasziniert von den Klangwonnen venezianischer Mehrchörigkeit. Einige Passagiere stehen in Badezeug um die Musiker herum, andere ruhen auf Sonnenliegen oder schwimmen im Pool. Seltsam? Nein. Diese Mischung aus Urlaub und Musik ist bezeichnend für eine Kreuzfahrt mit den Wiener Philharmonikern. Das wohl berühmteste Orchester der Welt aus der schönen Donaustadt hat 2012 bereits zum dritten Mal einen Teil seiner jährlichen Ferien geopfert, um gemeinsam mit 1700 Fans aus aller Welt Meer und Musik zu genießen. Sie alle waren hochzufrieden an diesem Seetag auf der einwöchigen Kreuzfahrt mit der "Mein Schiff 1"

Öffentliche Proben an Bord

"Wo gibt es das schon", sagt strahlend Clemens Hellsberg, Geiger und Vorstand der Philharmoniker, "in zehn Sekunden hat man mit dem Fahrstuhl seinen Arbeitsplatz im Theater erreicht!" Sind die Philharmoniker an Bord, dürfen Passagiere jede Menge öffentlicher Proben, Kammerkonzerte und Konzerte an Land erwarten.

Während für die eine Hälfte der Passagiere beim Drink in den Bars die Sonne im Meer versinkt, geht für die musikbegeisterte andere Hälfte abends um halb neun regelrecht die Sonne erst auf! Sie dürfen zum ersten Mal auf dieser Reise einer Probe der berühmten "Wiener" beiwohnen: Dirigent Herbert Blomstedt probt mit den Musikern fürs erste Konzert. Man spielt Brahms. Es klingt bereits auf der Probe traumhaft!

Fünf Tage mit Weltklassemusikern

Viele Passagiere kommen aus dem klassikverrückten Japan und treffen hier auf ebenso musikliebende Österreicher, die den Großteil der Passagiere ausmachen. Während der Probenpause geht ein Japaner auf den Ersten Geiger zu und übergibt ihm ein Präsent. Man kennt sich, die Wiener Philharmoniker sind gern gesehene Gäste in Japan, und ihre Tourneen führen sie regelmäßig dorthin. Nun sind ihre Fans ihnen gefolgt, reisen weiter mit ihnen übers Mittelmeer.

Fünf Tage mit den von ihnen so verehrten Weltklassemusikern liegen noch vor ihnen. Und viele, viele Proben und Konzerte. Noch 110 Seemeilen bis Istanbul. Bei der Einfahrt in die Dardanellen rennt alles an Deck: Jeder will die eindrucksvolle Einfahrt sehen. Nachmittags dann darf man sich wieder erfreuen an jenen berühmten Streicherklängen, wie sie nur die Geiger der Wiener Philharmoniker hervorbringen.

Das nächste Highlight wartet auf die Passagiere in der türkischen Megametropole Istanbul im großen Anadolu Auditorium. Das Orchester führt auf, was es am besten kann: Wiener Klassik. Haydn, Mozart.

Dieser Artikel erschien im Original auf Hamburger Abendblatt

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