Von Christine Neder

Trittsicher und geübt balancieren sie über die unebene Lavalandschaft. Gelbe, rötliche und grüne Berghügel verleihen der Umgebung einen magischen Anblick. Der Wind pfeift unerbittlich durch die dicke Mähne, doch die Tiere stehen kräftig und sicher am Hang. Island auf dem Pferderücken, Reiten durch die unberührte Wildnis ist ein Erlebnis der ganz besonderen Art.

 
Die Islandpferde      

 
Es gibt kaum eine bessere Möglichkeit, Island zu entdecken, als auf dem Rücken eines Islandpferds. Aufgrund ihrer Größe müssten die Tiere eigentlich Ponys heißen, ihre Stärke und Robustheit gibt ihnen jedoch den Titel eines Pferds. Sie tragen problemlos einen starken Mann durch das isländische Hochland. Als die ersten Wikinger Island um 900 besiedelten, brachten sie ihre Pferde mit sich. Seitdem wird die Rasse rein gehalten. Ein Pferd, das einmal die Insel verlassen hat, darf niemals zurückkehren. Heute stehen etwa 78 000 Pferde auf der Insel und teilen sich ihren Lebensraum mit nur 320.000 Menschen. Die besonders vielseitige und robuste Rasse beherrscht neben den Grundgangarten Schritt, Trab und Galopp auch Tölt und Pass. Der Tölt ist eine sehr erschütterungsarme Gangart, die selbst Reitanfänger rasant und ohne Rückenschmerzen durch die Landschaft trägt.

Der Hof Skálakot    

Ein beliebtes Ziel für Reiterferien oder Ausflüge ist der Hof Skálakot. Er liegt südlich von Reykjavík in der Region Eyjafjöll – direkt am Fuß des berühmten Vulkans Eyjafallajökull, der im Sommer 2010 den gesamten europäischen Flugverkehr zum Erliegen gebracht hat. Jóhanna Thorhallsdóttir und Guðmundur Viðarsson betreiben den Hof gemeinsam seit 1985. Mittlerweile besitzen sie 150 Pferde und 300 Schafe, die die reichhaltigen Wiesen rund um den Hof genießen. Neben der Pferdezucht hat sich die Familie auf Touristen eingestellt und bietet ganzjährig Reitausflüge an. Auch ihr Sohn Orri ist inzwischen in den Familienbetrieb eingestiegen und bietet Wandertouren an. Egal ob Anfänger oder Fortgeschrittene, Reiter oder Wanderer, es ist für jeden die richtige Tour dabei. Eine Tagestour zum Irafoss Wasserfall oder eine Woche durch die Wildnis Islands - hier können Jugendliche, Erwachsene und Familien ein- oder mehrwöchige Reiterferien in familiärer Atmosphäre verbringen. Die Besucher haben die Möglichkeit, den Alltag auf einem Bauernhof hautnah mitzuerleben und nach getaner Arbeit im hauseigenen Whirlpool die Muskeln für den nächsten Tag zu schonen.

Sightseeing auf dem Pferderücken

Nicht nur die unberührte Natur steht den Reitern zur Verfügung. Auch zum klassischen “Golden Circle” führen Wege auf dem Pferderücken. Die bekanntesten Naturschauspiele Islands werden jährlich von fast einer Million Besuchern bestaunt. Der spuckende Geysir, dem alle anderen ihrer Art den Namen verdanken, der Wasserfall Gullfoss oder der Nationalpark Thingvellir, in dem die Kontinentalspalten auseinanderdriften, sind Höhepunkte dieses Ausflugs.

Zu Gast bei den besten Pferdezüchtern Islands

Skálakot bietet seinen Gästen die einmalige Möglichkeit, im Süden Islands die besten Pferdezüchter zu besuchen. Auf dem Weg werden Gletscher bestaunt und wilde Flüsse durchritten. Wie in Island üblich, läuft eine freie Herde mit der Gruppe mit, sodass alle paar Stunden ein neues, ausgeruhtes Pferd gesattelt werden kann. Abends werden die Gäste von verschiedenen Pferdezüchtern in der Region auf ihren Höfen begrüßt. Die Farmer erzählen aus ihrem Alltag und stellen ihre besten Pferde vor. Übernachtet wird entweder auf den Höfen oder in komfortablen Cottages, von deren FensterN aus die Pferdeherde beim wohlverdienten Feierabend zu beobachten ist. Am letzten Tag begrüßt die Skálakot-Familie die Heimkehrer mit einem traditionellen Grillfest.

Mit den Bauern und Schafen über die Insel

Eine einzigartigen Tour, die nur für Fortgeschrittene geeignet ist, ist der Schafsabtrieb.
Die Bauern aus den Regionen in Südisland und ihre Vorfahren treiben tausende ihrer Schafe seit Jahrhunderten im Herbst zusammen. Auf dieser Tour lernt man, wie man die Herde unter Kontrolle bringt, die Schafe die Berghänge hinunter treibt über die Flüsse und durch die Täler. Mehrere Tage ist man nicht nur im Herzen der Insel, sondern auch bei den Einheimischen, die einem das Land aus einem authentischen Blickwinkel zeigen. Für diese Tour bedarf es aber sehr guter  Reitkenntnisse, guter körperlicher Verfassung und Teamwork.
 

Autorin Christine Neder: 40 Festivals in 40 Wochen

Die Autorin Christine Neder hat die Erfahrungen ihres ersten Projektes im Buch  "90 Nächte 90 Betten" niedergeschrieben. Danach reiste sie für die gerade erschienene Fortsetzung durch die Welt: 40 Festivals in 40 Wochen. Bei myEntdecker schreibt sie ihre Highlights auf. Wer mehr über die Autorin und ihre Reiseerlebnisse erfahren will, findet dies bei Facebook oder im Blog von Christine Neder.

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Entdecker-Infos

Weitere Infos: Hof Skálakot, www.skalakot.com