Von Silke Böttcher

„Grüner Ort“ sagen die einen, wenn sie über Keitum sprechen. Andere nennen den Ort auf Sylt die Kapitäns-Siedlung. Recht haben sie alle. Aber Keitum ist noch mehr. Sogar Wein wächst hier. Aber dazu später.

Keitum war lang Hauptort von Sylt

Der kleine Ort, der ziemlich in der Mitte der Insel liegt, wurde 1216 erstmals urkundlich erwähnt. Und war lange Zeit der Hauptort von Sylt. Wer einen Arzt oder eine Apotheke brauchte, musste nach Keitum fahren. Kapitäne verhalfen dem Ort zu Wohlstand, denn sie wählten ihn als Wohnsitz. Die Häuser, die sie bauten, sorgten dafür,  dass Keitum ganz nebenbei zu einem der schönsten Friesendörfer der Insel wurde. Wunderschöne reetgedeckte Häuser, von denen viele im 18. Jahrhundert herum entstanden, verteilen sich auf 10,43 Quadratmetern Fläche, verwinkelte Gässchen und uralte Bäume geben dem Ort eine romantische Atmosphäre. Zumal die Keitumer einen besonders grünen Daumen zu haben scheinen: Viele Gärten, die oft mit Steinmauern, den sogenannten Friesenwällen, umgeben sind, blühen im Sommer in allen Farben.

Touristen brauchten trotzdem lange, bis sie Keitum als Urlaubsziel entdeckten. Erst 1970 wurde das erste Hotel eröffnet. Das war die Initialzündung: Wenig später gab es die ersten Boutiquen und Teestuben, Kunsthandwerker zogen ebenfalls hierher. Vor allem letztere sorgten dafür, dass Keitum heute ähnlich wie früher die Stadt Kampen als Künstlerdorf gilt. Glasbläser oder Goldschmiede gibt es in größerer Zahl – zur Freude der Touristen aus den nahen Ferien-Appartements, die sich gern ein schönes Stück als Urlaubserinnerung mitnehmen.

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Berühmte Sylter Friesentorte

Mindestens ebenso beliebt sind die Teestuben. Das liegt nicht nur am Tee, sondern an der berühmten Sylter Friesentorte, die aus Blätterteig, Sahne, Pflaumenmus und Rum besteht und auch im Hochsommer hochbegehrt ist. Anschließend sollte man aber einen Spaziergang zur St.-Severin-Kirche machen, um die Kalorien wieder abzuarbeiten. Die kleine  Kirche wurde 1216 erbaut und ist eine der wichtigen Sehenswürdigkeiten Keitums. Wer mag, guckt sich dann noch den Friedhof an, auf dem nicht nur viele der Keitumer Kapitäne die letzte Ruhe fanden, sondern auch Rudolf Augstein und der Verleger Peter Suhrkamp.

Zu den weiteren Sehenswürdigkeiten gehört das Altfriesische Haus, das mit Möbeln aus dem 18. Jahrhundert eingerichtet wurde und so aussieht, als sei der Besitzer, ein einstiger Walfänger, nur mal eben weggegangen. Auch das Sylter Heimatmuseum, das in einem einstigen Kapitänshaus eingerichtet wurde, ist einen Besuch wert.

Hügelgräber mit Strandblick

Wer es mehr mit älterer Geschichte hat, der guckt sich die Hünengräber Harhoog und Tipenhoog an, die um 4000 v. Chr. entstanden sind. Von den aufeinandergestapelten Steinen aus hat man eine tolle Aussicht über die Bucht. Eines aber sollte man sich auf alle Fälle ansehen: den Weinberg am nordwestlichen Stadtrand - er ist der nördlichste in Deutschland. Hier wachsen sonnenverwöhnte Trauben der Sorten Solaris und Rivaner, die dann im Weingut Balthasar Ress (www.balthasar-ress.de) zu einem erstaunlich guten Wein gekeltert werden.

Und dann gibt es natürlich auch noch den Strand, der besonders bei Familien beliebt ist.  Ferienwohnungen oder Hotels gibt es in Strandnähe in ausreichender Zahl, Strandkörbe auch. Dann muss jetzt nur noch die Sonne scheinen...  Silke Böttcher

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