Das Neue Palais, Prunkschloss Friedrichs II. in Potsdam
Am westlichen Ende der Hauptallee des Parks von Sanssouci erhebt sich ein gewaltiger Schlossbau, der schon von weitem an seiner hohen Tambour-Kuppel erkennbar ist: das Neue Palais. Die mit 200 Metern Länge recht imposante Anlage diente erkennbar der Repräsentation, ganz im Gegensatz zum intimen Weinbergsschloss Sanssouci. Friedrich der Große begann den Bau des Schlosses unmittelbar nach dem Ende des Siebenjährigen Krieges, der sein Land beinahe an den Rand des Ruins gebracht hatte. Er selbst bezeichnete den Bau als „fanfaronnade“, seine Prahlerei. Vorbild war Versailles in Frankreich.
Königliche Prahlerei
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Das Schlosstheater im Neuen Palais gehört zu den wenigen erhaltenen Theatern des 18. Jahrhunderts in Deutschland.
Als Hauptwerk des friderizianischen Rokoko entstand von 1763 bis 1769 eine weitläufige barocke, einen Ehrenhof umgebende Dreiflügelanlage mit über 500 Räumen und Sälen. Im Innern erwarten den Besucher prächtige Festsäle, großartige Galerien und fürstlich ausgestattete Appartements sowie im Südflügel das barocke Schlosstheater von Sanssouci, heute Teil der „Europastraße Historische Theater". Diese kulturtouristische Straße verbindet ausgewählte historische Theater aus der Zeit des 17. bis 19. Jahrhunderts in acht Ländern miteinander: von Norwegen, Schweden und Dänemark über Großbritannien, die Niederlande und Deutschland bis nach Italien. Im Neuen Palais lassen sich erlesene Werke der Kunst und des Kunsthandwerks des 18. Jahrhunderts in ihrem originalen Zusammenhang erleben.
Der Alte Fritz hat selbst nur wenige Wochen im Jahr in dem gewaltigen Schlossbau gewohnt, auch später wurde das Schloss meist nur als Gästewohnung und für Festlichkeiten genutzt. Kaiser Wilhelm I. wohnte im Schloss Babelsberg. Dessen Sohn Friedrich III., der 99-Tage-Kaiser, und dessen Sohn Wilhelm II., der letzte deutsche Kaiser, wählten das Neue Palais wieder als bevorzugten Aufenthalt. An die Modernisierungen aus dieser Zeit erinnern u.a. die hinter kunstvollen Schränken versteckte Bäder oder Toiletten. Ebenso ein einzigartiger mit Wasserdruck betriebener Fahrstuhl.
Beim Rundgang durch den Mittelteil des Schlosses erlebt man zur Ausstellung "Friederisiko" prachtvoll ausgestattete Fürstenwohnungen, u.a. für den Bruder Friedrichs, den Prinzen Heinrich, eingerichtet und mehrere Festsäle. Viele waren seit Jahrezehnten nicht mehr zu sehen.
Der Grotten- oder Muschelsaal im Erdgeschoss ist berühmt für seinen Belag aus Muscheln, Glas und glänzenden Steinchen. Als Vorbild diente vermutlich der Grottensaal im Dresdner Zwinger. Im 19. Jahrhundert wurden die Wände durch Mineralien, Fossilien und Halbedelsteine bereichert. So unter anderem mit Gestein aus der Spitze des Kilimandscharo. Die Marmorgalerie führte zu den Gemächern Friedrichs. Roter Jaspis und weißer Marmor aus Carrara in Italien bestimmen das Bild in diesem langgestreckten Saal. Fenstertüren lassen viel Licht ins Innere. Drei Deckenbilder, durch eine reiche Goldornamentik verbunden, versinnbildlichen die Tageszeiten. Die sie rahmenden Stukkaturen lehnen sich in ihrer Art an die Deckengestaltung der wesentlich kleineren Galerie im Schloss Sanssouci an.
Festsaal mit Plastiken und großem Deckengemälde
Über dem Grottensaal liegt im Obergeschoss der 600 Quadratmeter große Marmorsaal. Dieser Festsaal, der sich über zwei Etagen erstreckt, ist an Wänden und Fußboden mit edlen Marmorsorten verkleidet. Zu sehen sind große Wandgemälde mit Szenen aus der antiken Mythologie und zwölf Marmorstatuen, die u.a. brandenburgische Kurfürsten und die Kaiser Julius Caesar, Kaiser Konstantin, Karl der Große und Rudolf II. von Habsburg darstellen.
Feuchtigkeitsmängel bedrohten von Anfang an den Saal, der derzeit zusammen mit anderen Räumen umfassend saniert wird. Das in goldfarbener Ornamentik reich eingefasste Deckengemälde von Charles Amédée Philippe van Loo zeigt die zum gemeinsamen Mahl versammelten olympischen Götter. Es ist mit 240 Quadratmetern Fläche das größte Leinwanddeckengemälde nördlich der Alpen.
Entdecker-Infos
| Adresse: | Besucherzentrum: am Neuen Palais, 14469 Potsdam | |
| Telefon: | +49 (0) 3331-96940 | |
| Internet: | http://spsg.de |














