Von Silke Böttcher

Sie glauben nicht ans Christkind? Dann sollten Sie mal nach Nürnberg fahren. Dort kann man ihm sogar die Hand schütteln. Denn beim weltberühmten Christkindlesmarkt ist das Christkind immer dabei.

Miss-Wahl fürs Christkind

Das Christkind eröffnet den Weihnachtsmarkt

Das Christkind beim großen Auftritt© PA / dpa

Allerdings ist es ein Wesen aus Fleisch und Blut. Eines, das vorher in einer Art Miss-Wahl einschließlich Vorsprechen antreten muss. Junge Frauen aus Nürnberg, zwischen 16 und 19 Jahre alt, können sich bewerben, sofern sie mindestens 1,60 Meter groß und schwindelfrei sind. Wer gewählt wird,  darf für zwei Christkindlesmarkt-Saisons in das goldene Gewand schlüpfen. 2011 und 2012 heißt das Christkind Franziska Handke. Am 30. November darf sie den Prolog sprechen, den Friedrich Bröger einst geschrieben hat – und anschließend werden die unzähligen Glühbirnen angeknipst, die den Markt erleuchten.

Zwei Millionen Besucher kommen jährlich zum Nürnberger Christkindlesmarkt, der einer der größten Weihnachtsmärkte in Deutschland und einer der berühmtesten der Welt ist. Schon Mitte des 16. Jahrhunderts konnte man im Advent Gewürze vom Markt kaufen – so besagt es ein Brief aus dem Jahr 1530. Der erste offizielle Nachweis für den Nürnberger Christkindlesmarkt stammt aus dem Jahr 1628.

Stände mit Gebäck und Handwerkskunst

Ein bisschen ist der Gang über diesen Markt eine Reise in eine andere, alte Zeit.  Die Wege zwischen den rot-weiß überdachten Ständen tragen so schöne Namen wie Zur Puppenküch, Beim Rauschgoldengel oder Sternlasweg, und verkauft wird typisch Weihnachtliches, vom Christbaumschmuck über Holzschnitzereien und Kerzen bis zu Spielzeug aus allen möglichen Ländern, von Glühwein über Zwetschgenmännchen bis zu echten Nürnberger Rostbratwürsten und – natürlich - Lebkuchen.  Die sind in Nürnberg so berühmt wie die Bratwürste und der Christkindlesmarkt. Nüsse, Honig, Zucker, Mehl und eine Mischung streng geheim gehaltener Gewürze werden zu den handtellergroßen Leckereien gemacht, ohne die man sich Weihnachten beim besten Willen nicht vorstellen kann. Auch das Nürnberger Traditionsunternehmen Lebkuchen Schmidt, das alljährlich tausende von Lebkuchenpaketen in alle Welt schickt, ist mit einem Stand vertreten.

Ein Weihnachtsmarkt für Kinder

Natürlich gehört zu einem ordentlichen Weihnachtsmarkt auch Spektakel. Ausstellungen etwa, Konzerte oder Führungen. Ein Bereich ist ganz für Kinder gestaltet: Auf dem Nürnberger Hans-Sachs-Platz gibt es Nostalgiekarussells, eine Dampfeisenbahn und Leckereien, die den Kleinen Spaß machen. Dazu wird gebastelt, gebacken und gewerkelt. Es gibt einen Lichterzug für Kinder, Fahrten mit der nostalgischen Postkutsche und ein großes Kulturprogramm im Sternenhaus.

Auch ein Markt der Partnerstädte gehört zum Christkindlesmarkt. Seit 1998 stellen sich Städte wie Antalya oder Atlanta, Krakau oder Prag, Venedig oder Verona mit Produkten und Spezialitäten vor.

Leer und still ist es auf dem Markt nicht, dazu ist er viel zu beliebt. Aber trotzdem kann man auf ihm der weihnachtlichen Hektik entrinnen. Ein Glas Glühwein in der einen, einen Lebkuchen in der anderen Hand, Weihnachtsmusik im Ohr und das Christkind im Blick sorgen ganz schnell für Weihnachtsgefühle.

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Entdecker-Infos

Adresse: Hauptmarkt, Nürnberg
Öffnungszeiten: 30.11.-24.12. 2012.; Mo-Do, 9.30-20 Uhr; Fr/Sa, 9.30-22 Uhr; So, 10.30-20 Uhr; Heiligabend, 9.30-14 Uhr
Internet: www.christkindlesmarkt.de