Von Jan Kanter

Der englische Garten in München verdankt seine Existenz einer späten Liebe. Im Jahr 1777„erbte“ Carl Theodor, Kürfürst der Pfalz, das Herzogtum Bayern, weil Max III Joseph von Bayern kinderlos gestorben war. Der Pfälzer Kurfürst wusste mit seinem Erbe zunächst nur wenig anzufangen und versuchte – und das muss ein schwerer Schlag für das Selbstwertgefühl der Süddeutschen gewesen sein – Bayern gegen die Niederlande einzutauschen.

Sehenswürdigkeit München: Englischer Garten

Idyll im Großstadtdschungel: Der englische Garten im München© pa/dpa

Das Geschäft kam nach Intervention der übrigen deutschen Fürsten nicht zustande und der Pfälzer Carl Theodor blieb auf dem Freistaat und einem ganzen Haufen wenig amüsierter Untertanen „sitzen“.

Der Englische Garten - ein Park fürs Volk

Dennoch sollte sich das misslungene Unterfangen noch auszahlen, auch wenn es eine Zeit dauern sollte, bis das alle Beteiligen erkannten. Der politisch erfolglose Kurfürst wandte sich im Folgenden Kultur und Wissenschaft  zu – davon profitierten die Bajuwaren und insbesondere die Münchner. Der ungeliebte Herrscher ließ unter anderem den Englischen Garten herrichten. 1792, zu einer Zeit, in der derartige Anlagen noch in erster Linie zur Belustigung absolutistischer Herrscherfamilien dienten, wurde einer der ersten allgemein öffentlich zugänglich Parkanlagen Europas verwirklicht. In diesen Jahren sollten Untertanen und Herrscher einander schließlich doch noch schätzen lernen. Mittlerweile ist Carl Theodor sogar Ehrenbürger der Stadt. Und der Englische Garten eine der Top-Sehenswürdigkeiten in München.

Britische Inseln als Vorbild

Der Englische Garten ist ein insgesamt knapp vier Quadratkilometer umfassendes längliches Areal im Herzen Münchens.  Zunächst hieß der Park nach seinem Initiator „Theodors Park“ wurde aber schnell in „Englischer Garten“ umbenannt. Die neue Bezeichnung würdigte die Anlage der Parklandschaft, die einer damals neuen Mode von den britischen Inseln folgte. Dort wurden in Abgrenzung zu den präzise geometrischen Gärten des Barocks die Parks jetzt als „wilde“ Naturlandschaft angelegt. Damit muss die Münchner Sehenswürdigkeit den Vergleich mit internationalen Anlagen wie dem Hyde Park in London oder dem Central Park in New York nicht scheuen.

Teehaus, Biergarten und Eisbach

Treffpunkt in München: Der chinesische Turm im Englischen Garten

Treffpunkt in München: Der chinesische Turm im Englischen Garten© PA/BA Huber

Die Natürlichkeit des Englischen Gartens nahe der Isar, der von mehreren Bächen durchflossen wird, blieb bis heute erhalten. Gleichwohl gibt es mehrere Bauten, die das Gesicht des Parks mit prägen. Im Südteil gibt es das Japanische Teehaus, den Chinesischen Turm und das klassizistische Mumfordhaus. Im nördlichen Teil erwarten mehrere Biergärten Gäste.

Zu den Attraktionen gehört der Eisbach. In einer Staustufe surfen Wagemutige auf ihren Brettern in der vermutlich einzigen innerstädtischen perfekten Welle. Insbesondere im Sommer ist der Englische Garten ein von vielen Münchnern angesteuertes Nahsterholungsgebiet. Aber auch die meisten München-Besucher, die zuvor in der Frauenkirche Kultur und im Hofbräuhaus das Lieblingsgetränk der Einheimischen getankt haben, betrachten einen Abstecher in den Park als gleichermaßen anregend wie erholsam.

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