Von Friederike Ostermeyer

Magdeburg, die Landeshauptstadt Sachsen-Anhalts, ist weder besonders wichtig, noch besonders schön – das meinen jedenfalls viele, die noch nie da waren. Diejenigen, die diese Stadt kennen, wissen es besser: Magdeburg überrascht. 

 

Kapitel 2: Das letzte Hundertwasserhaus

Mitten in der Stadt, nur wenige Meter vom Dom entfernt, steht ein Haus, wie Kinder es malen würden. Ein rosafarbenes, pummeliges Schloss mit goldenen Kugeln auf den Türmen. Kein Fenster gleicht dem anderen und auf den Dächern wachsen Bäume. In den verwunschenen Innenhöfen, auf den kleinen Treppchen und in den schrägen Gängen stehen die Menschen und staunen. Es ist das letzte Haus, das Friedensreich Hundertwasser entworfen hat und wurde 2005 fertiggestellt. Sein Name ist „Die Grüne Zitadelle“ und gilt als die beliebteste Touristenattraktion der Stadt.

Nichts scheint gerade an diesem Gebäude, nichts ist ohne Farbe. Es ist ein Haus, das die Phantasie beflügelt und das, obwohl es so riesig es ist, eine bemerkenswerte Leichtigkeit ausstrahlt. Man könnte fast meinen, es tanzt. „Ich weigere mich, Häuser zu bauen, wodurch die Natur und die Seele der Menschen zu Schaden kommen“, hat Hundertwasser einmal gesagt. Und genau deshalb passt dieses Haus mit „Seele“ so gut zu Magdeburg, dessen Stadtbild sonst so stark von nüchternen, geradlinigen Gebäuden geprägt ist. Man glaubt, jeder, der dieses Haus betritt, wird unweigerlich von Freude erfüllt. Und obwohl es Menschen gegeben haben soll, die gegen den Bau des Hundertwasserhauses waren, will es heute keiner mehr missen. Zu groß ist die Anziehungskraft dieser geheimnisvollen Architektur. Mehr Kontrast geht eigentlich kaum. 

Wo New York von Magdeburg abgeguckt haben soll

Wer sich die Zeit nimmt, den Rest des Breiten Weges abzulaufen, wird erkennen, was die sozialistische Architektur mit dem vielen Platz angestellt hat, den sie damals zu Zeiten des Wiederaufbaus hatte. Vor dem Zweiten Weltkrieg galt der Breite Weg als eine der schönsten Einkaufsstraßen Europas. Der gute Ruf ging bis nach Übersee. Deshalb, so kursiert eine Legende, tauften die New Yorker ihre schönste Straße ebenfalls Broadway. Heute ist aber besonders der Nordabschnitt von einer schwermütigen Tristesse durchzogen, dem nur noch ein grauer Regentag eines draufsetzen kann. Doch selbst das sollte man einmal gesehen haben.

Lesen Sie im nächsten Kapitel, was es mit dem geheimnisvollen Otto auf sich hat

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Kapitel 5

Kapitel 6

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