Von Friederike Ostermeyer

Magdeburg, die Landeshauptstadt Sachsen-Anhalts, ist weder besonders wichtig, noch besonders schön – das meinen jedenfalls viele, die noch nie da waren. Diejenigen, die diese Stadt kennen, wissen es besser: Magdeburg überrascht.

 

Kapitel 4: Gründerzeitschick und Industriebrachen

Graue Platte, wohin das Auge reicht? Stimmt nicht...also fast nicht. Südlich des Domes beginnt die Hegelstraße. Sie wurde nach Pariser Vorbild gebaut und ist mit ihren breiten Gehwegen, den kleinen Vorgärten und den mit Ornamenten und Statuen verzierten Häuserfassaden wahrlich ein Ort zum Flanieren. Aber es geht noch weiter:  Denn hinter der Hegelstraße beginnt der Hasselbachplatz, das Kneipen- und Ausgehviertel. Auch hier stehen fast nur Gründerzeithäuser, die sich sternenförmig um den besagten Platz reihen. 

Viele Studenten leben hier, denn in wie fast keiner anderen Stadt sind die Mieten hier noch erschwinglich. An warmen Sommerabenden sind die Außentische der Cafés und Bars derart voll besetzt, dass es fast kein Durchkommen mehr gibt. Und doch ist es in den vergangenen Jahren ein wenig ruhiger geworden in diesem „Szeneviertel“. Einst gab es hier viele Clubs und laute Konzerte. Doch die Bewohner wollen ihre Ruhe haben, man kennt das ja schon von anderen Städten.

Morbider Charme verlassender Fabrikhallen

Südlich des Gründerzeitviertels beginnt Buckau, ein ehemaliges Arbeiter- und Industrieviertel. Hier findet man ihn noch, den morbiden Charme, den verlassene Fabrikhallen ausstrahlen. Zu DDR-Zeiten galt Magdeburg als wichtigste Stadt für die Schwerindustrie. Heute ist davon wenig übriggeblieben. Und deshalb erobert  die Natur in den verlassenen Gebäuden wieder ihren Platz zurück. Pflanzen wachsen an Strahlträgern durch zerbrochene Scheiben hindurch und lassen den Boden aufplatzen. Dazwischen bunte Graffitis, hastig über Rost gesprüht. Fotografen lieben diese Orte, um apokalyptisch anmutende Bilder zu schießen. Deshalb eigneten sie sich bereits als Kulisse für diverse Endzeitfestivals. Wer diese besondere Stimmung noch erleben will, muss sich beeilen. Denn nach und nach werden die leeren Fabrikhallen zu Luxus-Lofts umgebaut.

Die häßlichste Platte steht im Zentrum

Wer sich aber auf die Suche nach der ostdeutschen „Plattenbauromantik“ begibt, wird schnell fündig. Stadtteile wie Reform oder Olvenstedt sind voll davon. Das Paradebeispiel steht allerdings mitten im Zentrum. Genannt wird es der „Blaue Bock“ und ist so hässlich, dass es schon wieder als Kultobjekt gilt. Versuche, das Gebäude unter riesigen Werbeplakaten zu verstecken, sind völlig sinnlos. Die meisten Magdeburger stehen nämlich zu ihrem „Blauen Bock“, weil es wirklich nichts gibt, was ihn an Hässlichkeit überbieten könnte. Das macht ihn schon wieder zu einer Touristenattraktion.

Lesen Sie im nächsten Kapitel, warum Magdeburg Kunst liebt

Kapitel 1

Kapitel 2

Kapitel 3

Kapitel 6

 

 

 

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