Von Friederike Ostermeyer

Magdeburg, die Landeshauptstadt Sachsen-Anhalts, ist weder besonders wichtig, noch besonders schön – das meinen jedenfalls viele, die noch nie da waren. Diejenigen, die diese Stadt kennen, wissen es besser: Magdeburg überrascht. 

 

Kapitel 5: Bemerkenswerte Kunstprojekte

Alternative Künstler und Kulturschaffende haben es in Magdeburg nicht leicht, sagt man. Und doch kommen immer wieder bemerkenswerte Projekte zustande. Während sich im ehemaligen Arbeiterviertel Buckau nach und nach kleine Galerien ansiedeln, findet mindestens einmal im Jahr eine große Kunstaktion statt. „Romantik 2.0“ war im Sommer 2012 solch ein Projekt, das selbst in Amerika Beachtung fand. Mehr als 240 Künstler verwandelten ein leerstehendes Krankenhaus in eine riesige Galerie. In 220 Räumen wurde sich in Form von Bildern, Filmen, Lesungen und Performances einem ganz großen Gefühl gewidmet: Der Liebe.

Sogar Kunststudenten aus den USA reisten an, um sich gleich nach der Documenta in Kassel das Kunstfestival in Magdeburg anzusehen. Darauf war die Stadt besonders stolz. Stolz waren die Magdeburger auch auf die Kunstinstallation, die an einer stillgelegten Hubbrücke angebracht war. „Von so weit her bis hier hin – von hier aus noch viel weiter“, leuchtete es den Elbeschiffern in kunstvollen Lettern entgegen. Über Nacht zerstörten im Sommer 2012 Unbekannte das Kunstwerk. Der Schock saß tief, doch eine Gruppe junger Menschen organisierte schnell eine Spendenaktion. Innerhalb einer Woche war das nötige Geld für die Reparatur zusammen. Damit hatte niemand gerechnet. Doch Otto liebt Kunst, so viel ist klar.

Größtes Freiluft-Atelier für Graffiti-Kunst

Ganz im Norden der Stadt, im Industriegebiet „Rothensee“, gibt es die „Aerosol-Arena“, ein großes Freiluft-Atelier für Graffiti-Kunst.  Auf Tausenden von Quadratmetern zeigen Spraydosen-Künstler ihr Können und holen so die Street-Art-Szene aus der „Schmuddelecke“ heraus. Ein Projekt in dieser Größe gibt es sonst nirgendwo in Deutschland und vielleicht, so vermuten viele, funktionieren solche alternativen Projekte nur noch in Magdeburg. Denn hier ist viel, viel Platz. Jemand hat einmal gesagt: „Hier gibt es zu viel Stadt für zu wenig Menschen.“ Da ist was dran. 150.000 Wohnungen stehen derzeit leer. Wer in Magdeburg eine Bleibe sucht, hat noch freie Wahl. Aber dafür erscheinen an einem Samstagmorgen die Straßen in der Innenstadt oft erschreckend leer.

Berlins kleine Schwester

Das Nachtleben ist in Magdeburg eher beschaulich und doch gibt es neben den Diskotheken, die immer das Gleiche spielen, eine kleine, aber feine Szene, die sich mit Leib und Seele der elektronischen Musik widmet. Ihre Partys organisieren sie mit viel Herzblut und mit Liebe zum Detail, und genau deshalb sind sie nicht immer in den gängigen Stadtmagazinen zu finden. Man muss genau hinhören oder die Augen nach Plakaten offenhalten. Auch kommen immer wieder berühmte DJ’s aus Berlin vorbei, um bei den familiären Partys aufzulegen. Ohnehin scheint Magdeburg manchmal wie die kleine Schwester von Berlin zu wirken – lange nicht so cool, aber mit viel Potenzial.

 

Lesen Sie im letzten Kapitel, warum Besucher immer wieder von Magdeburg überrascht sind

Kapitel 1

Kapitel 2

Kapitel 3

Kapitel 4

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