Von Silke Böttcher

Zitadelle Spandau - Jüdische Grabsteine

Jüdische Grabsteine in der Zitadelle Spandau© PA

Zeitreise ins 16. Jahrhundert gefällig? Dann nichts wie hin in die Zitadelle Spandau. Wer dort ist, hat das Gefühl, die Zeit sei stehengeblieben. Und das ist kein Wunder, denn das Bauwerk gilt als eines der besterhaltenen und bedeutendsten Renaissance-Festungen Europas. HIer kann man gut sehen, wie sich die Menschen damals vor Feinden schützten. Kurfürst Joachim II. ließ die Zitadelle Spandau zwischen 1559 und 1594 auf den Resten einer slawischen Befestigungsanlage bauen. Was dort entstand, war nach damaligen Vorstellungen hochmodern.

Vier Bastionen und ein Wassergraben

 Der italienische Architekt Francesco Chiaramella de Gandino kümmerte sich um den Entwurfder Zitadelle Spandau, bis 1578 Rochus Graf zu Lynar die Arbeiten übernahm. Was entstand, war eine symmetrisch aufgebaute Festung, die - wie es sich für eine ordentliche Burg gehört - von einem Wassergraben umgeben und über einen Damm mit Zugbrücke zu erreichen ist. Die Zitadelle Spandau selbst besteht aus den vier Bastionen  „Kronprinz“, „Brandenburg“, „Königin“ und „König“.

Das erste, was der Besucher sieht, ist das Torhaus der Zitadelle Spandau. Seine heutige Fassade entstand im Jahre 1839. Die ursprüngliche Renaissancefassade war im Laufe der Jahrhunderte beschädigt worden. Durchs Tor wandert man ins Innere der Zitadelle Spandau. Links ragt der im 13. Jahrhundert erbaute Juliusturm auf. Der Wehrturm mit seinen bis zu 3,60 Meter dicken Wänden ist 30 Meter hoch und gilt heute als eines der Wahrzeichen Spandaus. Der Weitblick vom Turm aus ist grandios, allerdings muss man ihn sich verdienen: 145 Stufen sind zu erklimmen, bis man von oben herunterschauen kann. Übrigens lagerte im Turm nach dem Ende des Deutsch-Französischen Krieges 1870/71 ein Teil des Reichskriegsschatzes.

Der Juliusturm ist Spandaus Wahrzeichen

 Vom Turm aus geht es zum Palas aus dem 15. Jahrhundert, dessen Attraktion der 300 Quadratmeter große Gotische Saal ist. Die besonders gute Akustik ist Schuld daran, dass hier häufig Konzerte veranstaltet werden. Juliusturm und Palas sind übrigens die ältesten Bauwerke auf der Zitadelle.

Beim Rundgang durch die Zitadelle Spandau besucht man auch die Bastion Königin, die 75 jüdische Grabsteine aus der Zeit zwischen 1244 und 1474 beherbergt. Außerdem kann man den Kanonenturm, das Zeughaus, die Exerzierhalle, das Offiziantenhaus, die Kaserne, das Kommandantenhaus mit einer Ausstellung über die Geschichte der Zitadelle Spandau, die italienischen Höfe und einen Hafen sehen.

Begegnung mit Fledermäusen

 Geschichtsinteressierte schauen sich die Reste der spätslawischen Befestigungsanlage an und informieren sich über die Stadtgeschichte. Wer es mehr mit Kunst und Kultur hat, der besucht im Haus 4 das Theater, Künstler-Ateliers und einen Schauraum, in dem man sich über die hier lebenden Fledermäuse informieren kann. Die Zitadelle Spandau ist nämlich das Winterquartier für bis zu 10.000 Fledermäuse. Der Fledermauskeller ist täglich von 12 bis 17 Uhr geöffnet, Führungen gibt es nach Anmeldung unter  Tel. 36 75 00 61.

Bänkelsänger und Spießbraten

Wer schon immer so essen wollte wie unsere Vorfahren im Mittelalter, der wird auf der Zitadelle Spandau ebenfalls fündig. Denn in der urigen historischen Gaststätte „Zitadellen-Schänke“, die in den Gewölberäumen des Kommandantenhauses untergebracht ist, genießt man Spießbraten oder Rosmarinkeule, trinkt dazu Met aus dem Bullenhorn und lässt sich von Bänkelsängern unterhalten. Im Sommer sitzen die Gäste am liebsten im Biergarten - unter einer 500 Jahre alten Linde und dem Denkmal Albrechts des Bären. 

 Im Sommer hört man auf der Zitadelle Spandau auch andere Klänge. Dann nämlich wird die Freifläche zur Open-Air-Bühne. Beim jährlichen Citadel-Music-Festival zwischen Ende Mai und Ende August treten auch Weltstars auf. Ein Highlight 2012 ist der Auftritt von Bob Dylan am 2. Juli. Außerdem gibt es regelmäßige mittelalterliche Marktfeste.

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Entdecker-Infos

Adresse: Am Juliusturm 64, 13599 Berlin
Öffnungszeiiten: Mo-So von 10 bis 17 Uhr (auch an allen Feiertagen)
Citadel-Music-Festival: www.citadel-music-festival.de