Von Jasch Zacharas

Am Perlfluss, nicht weit von Hongkong und Macau, liegt die „Fabrik der Welt“. So wird die Stadt Kanton (chinesisch: Guangzhou) mit ihren mehr als acht Millionen Einwohnern aus gutem Grund genannt. Hier wird produziert, was das Zeug hält: Autos, Computer, Waschmaschinen, Nahrungsmittel, Schiffe, Gummimatten, Ledertaschen und vieles erdenkliche mehr. Auch Chinas größte Import- und Exportmesse mit Ausstellern aus aller Welt ist zu Hause.  Doch die Stadt am Ende der Seidenstraße hat auch für Touristen viele Sehenswürdigkeiten zu bieten. Architektonische Relikte aus der weit mehr als 2000-jährigen Geschichte der Stadt, ein etwa 600 Meter hoher Fernsehturm, der riesige Qingping-Straßenmarkt oder auch die bewaldete Flussinsel Shaiman zum Beispiel. Das Wahrzeichen der Stadt ist ein übermenschlich großes Denkmal mit fünf Ziegenböcken.

Kanton als Stadt der Vielfalt

Kanton ist etwas neun mal größer als Berlin. Um einen Eindruck von den gewaltigen Ausmaßen dieser lebhaften Mega-City zu gewinnen, empfiehlt es sich, einmal mit dem Taxi durch das Gewirr eleganter Geschäftsstraßen, Verkehrstangenten sowie von Neubau- und Altstadtvierteln kutschieren zu lassen. Für einen  genaueren Blick im Detail lohnt sich demgegenüber ein Spaziergang durchs Zentrum. Beeindruckend ist da etwa die von Franzosen im 19. Jahrhundert erbaute Herz-Jesu-Kathedrale im Stadtbezirk Yuexiu, heute Treffpunkt der Christen Kantons. Seit 1996 steht die Kirche auf der Liste bedeutender Denkmäler der Volksrepublik China.  Auf der anderen Seite lassen sich das traditionelle Leben der Chinesen und ihre Vorlieben hervorragend auf dem Quing-Ping-Markt entdecken. Nahe dem alten Faktoreiviertel werden hier beispielsweise Potenzmittel wie Bärenhoden oder Hirschgeweihscheiben angeboten. Direkt daneben finden sich Gewürze, Krabben, Fische und frisch geschlachteten Tiere wie Ziegen, Hunde oder Katzen. In Käfigen und Kisten werden zudem noch lebende, zum Verzehr vorgesehene Insekten, Gänse, Enten, Hühner, Ameisenbären, Schlangen angepriesen. Die Atmosphäre ist absolut authentisch: An den Ständen in engen Gassen wird gehandelt, geraucht, gespuckt und gedrängelt.

Die Insel Shamian und die Blumenpagode

Gut, dass es in der in vielen Vierteln von Lärm und Abgasen gequälten Millionenstadt eine Insel wie Shamian auf dem Perlfluss mit Wald, Wiesen, Parkbänken, Bootsverleih und Restaurants gibt. Hier lässt es sich vom Trubel abschalten und den Feierabend genießen. Ein Ort der Entspannung ist auch die spektakuläre Blumenpagode, die bereits im Jahr 1097 erbaut wurde.  Sie ist eine der ältesten buddhistischen Tempelanlagen der Welt. Genau genommen handelt es  sich um einen reich verzierten 57 Meter hohen Turm, der auf 17 Etagen geistige Einkehr ermöglicht und Touristen obendrein eine Vielzahl von Kunstschätzen offenbart.   

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