Von Silke Böttcher

Dieser See würde locker auch als Meer durchgehen.  Mit einer Oberfläche von 68.800 Quadratkilometern und einer Küstenlinie von 3450 Kilometern Länge ist der Victoriasee so groß, dass man meist das andere Ufer gar nicht sehen kann – es ist an den meisten Stellen mindestens 210 Kilometer entfernt. Die Länder Tansania, Uganda und Kenia teilen sich die Fläche des Sees, wobei nur ein kleiner Teil zu Kenia gehört. 

Der Victoriasee: größter See in Afrika

Und wenn wir schon mal bei den Zahlen sind: Der von vielen Inseln durchsetzte Victoriasee, der 130mal größer ist als der Bodensee, gilt als größter See in Afrika und zweitgrößter Süßwassersee der Welt (nur der Obere See in Nordamerika ist größer). Besonders tief ist er allerdings nicht – im Schnitt sind es etwa 40 Meter, an der tiefsten Stelle 81 Meter.

Seinen Namen verdankt er übrigens der einstigen Königin von Großbritannien. Als der britische Entdecker John Hanning Speke das riesige Gewässer zum ersten Mal sah, taufte er es Victoriasee. 

Mildere Temperaturen rund um den See

Weil er so hoch in der ostafrikanischen Hochebene liegt, dient der See der Stromerzeugung – das Gefälle des Abflusses wird genutzt. Zwei Kraftwerke und ein Staudamm wurden dafür gebaut.  Der Victoriasee bewirkt aber noch viel mehr, und das ganz ohne Technik: In seiner Umgebung ist das Land grün. Es gibt mehr Regenfälle, die Temperaturen sind milder als im übrigen Afrika. Der Monatsschnitt liegt bei etwa 22 Grad. Kein Wunder, dass ein solches Gebiet eng besiedelt ist. Ugandas Hauptstadt Kampala mit 1,5 Millionen Einwohnern ist nicht weit entfernt, in Tansania liegt Mwanza (200.000 Einwohner) direkt am See, ebenso die kenianische Stadt Kisumu (200.000 Einwohner).  An manchen Stellen allerdings ist das Ufer zu sumpfig für eine Bebauung.

Trotz der engen Besiedlung ist der Victoriasee auch ein Rückzugsgebiet für zahllose Fischarten, viele davon kommen nur in diesem Gewässer vor. Insgesamt wurden 550 Arten gezählt. Viele Menschen rund um den Victoriasee leben vom Fischfang. Um das Angebot noch zu vergrößern, wurde 1960 eine neue Fischart ausgesetzt: der Nilbarsch. Der fühlte sich sofort pudelwohl in der neuen Heimat und vermehrte sich rasant. Das allerdings hatte schwerwiegende Folgen, denn der Raubfisch, der heute als „Viktoriabarsch“ verkauft wird, verdrängte andere Arten und zerstörte damit die Trockenfischindustrie am See. Ein weiterer Eindringling ist die Wasserhyazinthe, die sich ebenfalls stark ausbreitet und große Seeflächen überwuchert hat.

Traumurlaub auf Mfangano Island

Ein Besuch am Victoriasee gehört zu den Höhepunkten einer Kenia-Reise. Idealer Ausgangspunkt ist die Stadt Kisumu, in der noch viele Bauwerke an die Kolonialzeit erinnern. Die Stadt dient auch als Ausgangspunkt für Reisen in die Masai Mara. Doch auch wer am Victoriasee einen richtigen Traumurlaub erleben möchte, wird fündig: Besonders reizvoll ist die autofreie Insel Mfangano Island im östlichen Teil des Sees. Wohnen kann man zum Beispiel im Mfangano Island Camp. Sechs Chalets in traditionell gebauten Hütten stehen in einer abgelegenen Bucht, dazu kommen zwei offene Bar- und Restauranthütten. Himmelbetten in den Chalets, Ethno-Look und eine luxuriöse Ausstattung sorgen für ein glamouröses Abenteuergefühl.

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