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St. Paul’s Cathedral: Wie eine Kuppel London dominiert

Für eine Kirche aus dem 17. Jahrhundert gibt es ganz schön viel Multimedia in der St. Paul´s Cathedral. Touchscreen-Guides und Panorma-Leinwand in der ehemaligen Schatzkammer der Krypta. Gut so: Der Besucher versteht gleich die Details der überbordenenden Pracht, die St. Paul´s  auszeichnet.

Kuppel von St. Pauls mit 528 Stufen

Ein Muss ist das Besteigen der berühmten Kuppel. Nach dem Erklimmen von 528 Stufen auf die Galerie gibt es einen prächtigen Rundblick über London. Noch höher ist nur die Laterne, der Aufbau auf der Kuppel der St. Paul´s Cathedral.

Ein Brand und Jahrhunderte der Planung

Doch zurück zum Anfang, 1666. Damals brannte London flächendeckend ab, und die mehr als ein Jahrhundert währende Diskussion um eine Restaurierung der im Kern aus dem Jahr 604 stammenden Holzkirchenkonstruktion war damit beendet.

Nach nur einem weiteren halben Jahrhundert bekam der Architekt Christopher Wren den Auftrag zur Planung eines Neubaus. Aus politischen Gründen – England hatte sich bekanntlich nachhaltig mit der Römisch-Katholischen Kirche überworfen – sollte St. Paul in London größer werden als die Paulskirche in Rom. Diese Idee war angesichts der Kosten schnell vom Tisch, entsprechende Pläne durfte Wren entsorgen.

Riesiges Modell in der Krypta

Eine abgespeckte zweite Version war ebenfalls zu teuer, diesmal aber hatte Wren ein Modell im Maßstab 1:24 gebaut, das heute noch unter dem Namen „Great Model“ in der Krypta der St. Paul´s Cathedral in London ausgestellt ist.

Erst der dritte Entwurf wurde 1667 angenommen. Allerdings musste Wren auch diesen immer wieder überarbeiten, bis fast nichts übrig blieb.  Allerdings schaffte es der Architekt glücklicherweise, seine Kuppelplanung vom ersten Entwurf wieder auf den Tisch zu bringen, und so entstand eine der wichtigsten Sehenswürdigkeiten in London: Die Kuppel der St. Pauls Cathedral, die bis heute ein wesentliches Merkmal der Skyline ist.

Geheimnisvolle Flüstergalerie

Wohl eher zufällig entstand eine weitere Attraktion der St. Pauls Cathedral in London: die Flüstergalerie. Der innenliegende Umlauf unterhalb der Kuppel in 30 Metern Höhe hat die verblüffende akustische Eigenschaft, den Schall entlang der gekrümmten Wand auf die gegenüberliegende Seite zu leiten und dort so zu bündeln, dass geflüsterte Worte an der Wand  deutlich zu verstehen sind, aber nur wenige Zentimeter weiter nichts mehr zu hören ist.

Solche Effekte gibt es auch anderswo, etwa in einem Turmzimmer der Dillenburg, dem Stammschloss der Oranier in Mittelhessen. So gewaltige Entfernungen legt der Schall ohne Hilfsmittel aber sonst wohl nur noch selten auf der Welt zurück.

Britische Prominenz in der Krypta

Die Treppe hinab, in der Krypta, findet der Besucher drei Sehenswürdigkeiten. Zum einen ist die Krypta der St. Pauls Cathedral Bestattungsort für zahlreiche Persönlichkeiten, von denen die meisten außerhalb Großbritanniens allerdings nur Experten bekannt sind.

Zum zweiten befindet sich dort das bereits erwähnte Modell des ersten Entwurfes von Wren. Und zum dritten sollte jeder Besucher an einer der filmischen Zeitreisen im Vorführungsraum teilnehmen.

St. Paul’s ist eine Kirche, kein Museum

Niemals aber sollte auch der andersgläubige Besucher vergessen, dass die Kathedrale ebenso wie Westminster Abbey ein Gotteshaus ist, und dass die Kirchengemeinde bereits seit 604 ununterbrochen besteht. St. Paul´s  Cathedral wurde im 17. Jahrhundert nicht als Museum, sondern zur Ehre Gottes und der Anglikanischen Kirche errichtet. Eine gesprochene Morgen- und vom Chor gesungene Abendandacht zu täglich wechselnden Zeiten erinnern ebenso wie Gottesdienste und geistliche Konzerte den Besucher daran, wer Herr im Hause ist.

Kurzinfos zur St. Paul’s Cathedral

Die Gottesfürchtigkeit hindert die Betreibergesellschaft, die Diözese London, allerdings nicht daran, für den Besuch der Kirche Eintritt zu verlangen.

  • Eintritt: Zwischen 8 (Kinder) und 18 Pfund (Erwachsene ohne Ermäßigung), je nach Tag und Jahreszeit gibt es Ermäßigungen und Aufschläge; online 2,50 Pfund billiger
  • Öffnungszeiten: wochentags 8.30 Uhr, Galerien 9.30 Uhr; um 16.30 Uhr werden die Türen für Touristen geschlossen. Sonntags nur Gottesdienste und Andachten (Teilnahme kostenlos).
  • Anfahrt: Underground: St. Paul´s, Central Line; Train: City Thameslink oder Blackfriars; Buslinien: 4, 11, 15, 23, 25, 26, 100, 242
  • Tipp: Unverzichtbar ist der Besuch der Buchungsseite von St. Paul´s Cathedral. Die Tickets sind billiger und man darf die Kirche über die Fast Lane betreten. Dies ist zudem die schnellste Möglichkeit, die öffentlichen Besuchszeiten für den jeweiligen Tag zuverlässig herauszufinden.

Hier finden Sie Berichte über weitere Sehenswürdigkeiten in London

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