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Zu Besuch im Alten Museum

Das Alte Museum Berlin wurde im März 2011 umgestaltet. Seither sind die Kleinkunst der Antikensammlung sowie zwei Schätze dort untergebracht: Eine Ausstellung der schönsten Münzen aus dem umfangreichen Archiv der Staatlichen Museen Berlin sowie der "Silberschatz von Hildesheim". Dabei handelt es sich um silbernes römisches Essbesteck aus dem 1. Jahrhundert, vermutlich Beute aus der Varusschlacht.

Altes Museum – Antikensamlung

Im griechischen Teil der Antikensammlung im Hauptgeschoss sind Kunstwerke vom 9. bis 1. Jahrhundert vor Christus zu sehen. Skulpturen, Vasen, Schmuck, Reliefe und Teile der griechischen Architektur sind jeweils in einer Abteilung zusammengefasst. Es gibt einige bedeutende Werke, die jedoch in ihrer Außenwirkung allesamt mit den berühmten Exponaten im benachbarten Pergamonmuseum nicht mithalten können.

Noch am bekanntesten ist die sogenannte Berliner Göttin. Der Name führt in die Irre: Es handelt sich um die Grabstatue einer jungen Frau aus dem Jahr 570 v.Chr., die aus Marmor besteht und ursprünglich farbig war. Reste von der Bemalung sind noch zu erkennen.

Etwa 100 Jahre jünger ist die Thronende Göttin von Tarent. Zumindest allen, die in der Schule Altgriechisch gelernt haben, sind die Staffelläufer auf der Amphore des Töpfers Andokides bekannt, weil dieses Bild auf dem Cover einiger Lehrbücher zu sehen ist.

Der römische und etruskische Teil der Antikensammlung befindet sich im Obergeschoss. Hier sind die Büsten von Caesar und Kleopatra als bekannteste Exponate zu nennen.

Doch auch das Gebäude Altes Museum selbst ist interessant. Es handelt sich um einen Schinkel-Bau. Der Architekt und Baumeister Karl Friedrich Schinkel hat wie kaum ein anderer Berlin geprägt. Mit seinen Ideen, seinen Schülern und seinen Bauten bestimmt er bis heute das Stadtbild des alten Berlin.

Mitten in Mitte setzte er sich mit einem seiner wichtigsten Gebäude ein Denkmal für die Ewigkeit. Das Alte Museum Berlin auf der Museumsinsel ist im wahrsten Sinne des Wortes ein Tempel für die Kultur.

Das Alte Museum Berlin – Bau für das Bildungsideal

Zu Beginn des 19. Jahrhunderts fand das Humboldtsche Bildungsideal, das einen aufgeklärten und gebildeten Bürger im Zentrum hatte, immer mehr Anhänger. Zu diesem Bildungsideal gehörten auch öffentliche, für jedermann zugängliche Kunstsammlungen in Museen. 1822 zeichnete Schinkel also erste Pläne, von 1825 bis 1828 wurde das alte, ursprünglich „Königliche Museum“ genannte Gebäude dann gebaut.

Schinkel verwirklichte die Tempel-Idee

Schinkel schuf mit dem Alten Museum Berlin ein Musterbild eines neoklassizistischen Gebäudes. Mit seiner Säulenhalle, den Fresken, dem flachen Dach und seinem massiven Sockel scheint das Gebäude geradewegs von einem Tempelberg griechischer Hochkultur nach Berlin verpflanzt worden zu sein. Auch wenn das 87 Meter lange und 55 breite zweigeschossige Gebäude mehrfach umgebaut, zwischenzeitlich schwer beschädigt und wieder restauriert wurde, strahlt es noch immer die zeitlos schöne Erhabenheit aus, die Schinkels Bauten auszeichnen.

Das Alte Museum Berlin  war zudem ursprünglich Teil eines Ensembles rund um den Lustgarten, bestehend aus Zeughaus, Dom und Stadtschloss. Jedes Gebäude sollte dabei eine der Kräfte im Land repräsentieren. Das Schloss den König, der Dom den Klerus, das Zeughaus das für die Preußen wichtige Militär und das Museum als letzter Bau das noch junge Bürgertum.

Antikensammlung steht im Zentrum des Museums

Schinkel greift auch im Gebäude-Inneren die Tempelidee wieder auf. Die Ausstellungsräume gruppieren sich um zwei Innenhöfe. Im Zentrum des Alten Museums Berlin steht wiederum eine über zwei Stockwerke reichende, 21 Meter hohe Rotunde mit einem runden Kuppeldach: Die Kuppel ruht ihrerseits wieder auf zahlreichen korinthischen Säulen und ist ganz bewusst dem Pantheon in Rom nachempfunden.

Ursprünglich wurde hier sämtliche Kunst der Stadt ausgestellt, mit dem wachsenden Ensemble der Museumsinsel, weshalb das Königliche Museum als ältester Bau auch die Bezeichnung Altes Museum Berlin erhielt, wurde die Sammlung spezieller. Von 1904 an und heute wieder ist hier die Berliner Antikensammlung untergebracht.

Das Bürgertum hat sich mittlerweile das Alte Museum Berlin auch in einem Sinne angeeignet, der das frühe Bildungsbürgertum vermutlich hochgradig schockiert hätte. Vor allem im Sommer sitzen die Menschen in Scharen auf der großen Freitreppe, die vom Lustgarten zum Eingang führt, bestaunen die Gebäude, picknicken oder genießen einfach nur die Sonne.

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