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Neue Nationalgalerie in Berlin

Der erste Blick auf die Neue Nationalgalerie in Berlin sieht in etwa so aus: Auf einer 105 mal 110 Meter breiten, hellgrauen und glatten Granitterrasse, die mit ihrer wuchtigen Masse das weiche Erdreich am Ufer des Landwehrkanals einebnet, ragt ein quadratischer Pavillon empor – drumherum kein Baum, keine Blumen, nur jede Menge Nichts.

Der Architekt Ludwig Mies van der Rohe erhielt 1962 mit 76 Jahren den Auftrag, eine neue Bleibe für den zeitgenössischen Kunstvorrat West-Berlins zu bauen. Er schuf ein Konstrukt aus Glas und Stahl, dessen dünne Streben und Glaswände, allesamt um 7,20 Meter zur Mitte hin eingerückt, die Last des massiven Stahldaches nicht (er-)tragen dürften.

Die Reaktionen nach Fertigstellung der Neuen Nationalgalerie  waren unterschiedlich. Heute gehört das Bauwerk zu den wichtigsten Museen der Stadt. Wer es besuchen will, sollte sich aber beeilen: Voraussichtlich im Jahr 2015 wird die Neue Nationalgalerie für mindestens drei Jahre wegen Renovierungsarbeiten geschlossen.

Neue Nationalgalerie Berlin ist zweigeteilt

Als Nachfolger der eher behelfsmäßigen „Galerie des 20. Jahrhunderts“ mit ihren beiden Standorten in den West-Berliner Stadtteilen Charlottenburg und Tiergarten bildet die Neue Nationalgalerie zusammen mit der Alten Nationalgalerie auf der Museumsinsel und vier weiteren Museen für bildende Kunst die Dachinstitution der „Nationalgalerie“.

Der Ausstellungsraum des Pavillons teilt sich in zwei Ebenen auf. Der im Erdgeschoss gelegene Universalraum hat bis auf zwei Säulen, die der Entwässerung des Dachs und der Elektrik dienen, und zwei Treppen, die ins Untergeschoss führen, keinerlei strukturelle Gliederung und wird daher favorisiert für Wanderausstellungen, wie z.B. dem gastierenden New Yorker MoMA in Berlin im Jahre 2004, genutzt. Aber nicht erst seit jener Zeit ist die Neue Nationalgalerie ein Touristenmagnet in der Hauptstadt.

Dauerausstellungen im Untergeschoss

Im Untergeschoss hingegen befinden sich die Dauerausstellungen der Neuen Nationalgalerie. Die Liste der gezeigten Exponate und insbesondere ihrer Erschaffer liest sich wie das Glossar aus einem Kunstlexikon der Moderne bis Postmoderne: Pablo Picasso, Edvard Munch, Ernst Ludwig Kirchner, Max Beckmann, Otto Dix, Paul Klee, Francis Bacon, Ernst Wilhelm Nay, Frank Stella oder Gerhard Richter. Zuviel versprochen?

Chronologisch gesehen knüpft die Neue Nationalgalerie an die Sammlung der Alten Nationalgalerie an. Bei ihr selbst endet der Bestand mit Werken des ausklingenden 20. Jahrhunderts von Roman Opalka, mit Ansätzen der Concept-Art und Gerhard Richters post-modernen Malereien. Die Kunstwerke des neuen Jahrtausends werden im Museum für Gegenwart am Hamburger Bahnhof gezeigt.

DDR-Kunst in der Neuen Nationalgalerie

Bei all den großen Weltnamen verliert die Neue Nationalgalerie oder der „lichte Tempel aus Glas“, wie ihn van der Rohe nannte, niemals den Bezug zu ihrem physischen Standort. Eines der frühesten Werke zum Thema Ort und Identität im Repertoire des Museums ist Ludwig Kirchners „Potsdamer Platz“ (1914) – ein Epochenbild des damals verkehrsreichsten Platzes in Europa, das schon im frühen 20. Jahrhundert urbane Kernthemen wie Anonymisierung und Konsumkultur vorausdeutete.

Wie wichtig die Geschichte eines Ortes für dessen Identität ist, zeigen Ausstellungen der Kunst aus der ehemaligen DDR. Wie in keinem anderen öffentlichen Museumsraum werden hier Werke namhafter DDR-Künstler wie Werner Tübke, aber auch der regimefernen „Berliner Schule“ um Harald Metzke zur Schau gestellt. Allesamt gedenken sie der besonderen Rolle der Kunst im sozialistischen Teil Deutschlands und hinterlassen mit Exponaten aus der Vorkriegszeit, des damaligen Westdeutschlands und der Wendejahre ein aufschlussreiches Abbild des bewegten 20. Jahrhunderts.

Neue Nationalgalerie: Besucherinfos

  • Adresse: Potsdamer Straße 50 10785 Berlin
  • Telefon: 030 266 – 424242
  • Preise: Ab 8 Euro, erm. 1/2 Preis. Sonderausstellungen teurer; Kombiticket Sammlung + Sonderausstellung ca. 12 Euro
  • Öffnungszeiten: Di, Mi, Fr., 10-18 Uhr, Do, 10-22 Uhr, Sa/So, 11-18 Uhr

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