> > Besuch im Pergamonmuseum

Besuch im Pergamonmuseum

Wer jemals den Pergamonaltar gesehen hat, der vergisst diesen Anblick nie mehr: Der Altar füllt einen ganzen Raum im Pergamonmuseum in Berlin. Entstanden ist er im zweiten Jahrhundert v. Chr. unter König Eumenes II. auf dem Burgberg im kleinasiatischen Pergamon in der heutigen Türkei. Beachten Sie bitte auch den Hinweis auf Restaurierunsgarbeiten im letzten Absatz!

Als er vollendet wurde, war er 35,64 Meter breit und 33,40 Meter tief. Wer ihn betreten wollte, tat dies über eine gewaltige, 20 Meter breite Treppe. Auffälliges Detail am Sockel ist ein Relief, das den Kampf der Giganten gegen die griechischen Götter zeigt. Wer ihn und die anderen Exponate des Pergamonmuseums sehen will, sollte sich beeilen: Von Oktober 2014 bis 2019 wird der Komplex renoviert. Einzelheiten finden sie im letzten Absatz dieses Textes.

Pergamonmuseum: Herzstück ist der Pergamonaltar

Vermutlich wurde der Pergamonaltar als Altar für einen Tempel erschaffen. Und wenn man sich den gewaltigen Bau heute im Pergamonmuseum anschaut, kann man sich gut vorstellen, was im deutschen Ingenieur Carl Humann vorging, als er den Pergamonaltar ab 1878 freilegte. Acht Jahre später waren die Grabungen beendet und tausende Fragmente wurden nach Berlin gebracht. Hier fügte man sie in mühevoller Kleinarbeit wieder zusammen. Und beschloss, dem Altar ein eigenes Museum zu widmen. Das erste Pergamonmuseum wurde allerdings noch vor dem Ersten Weltkrieg wieder abgerissen.

Drei Sammlungen gehören zum Pergamonmuseum

Das heutige Pergamonmuseum, Teil der weltberühmten Museumsinsel Berlin, entstand zwischen 1910 und 1930. Ludwig Hoffman baute es nach Plänen von Alfred Messel als neoklassizistische Dreiflügelanlage für drei Museen: Das Vorderasiatische Museum, das Museum für Islamische Kunst und die Antikensammlung mit Skulpturentrakt und  Architektursälen fanden hier Platz.

Tipp: Wenn Sie umfangreiche Besichtigungen über mehrere Tage auf der Museumsinsel planen, könnte die Berlin Welcome Card Museumsinsel für Sie lohnen.

Im Pergamonmuseum sind auch der Pergamonaltar und das Markttor von Milet, ein römisches Tor aus dem zweiten Jahrhundert n. Chr., untergebracht. Auch dessen Entdeckung war eine Sensation: 1903 fanden die Archäologen Theodor Wiegand und Hubert Knackfuß Teile des Tores, als sie in der kleinasiatischen Stadt Milet Ausgrabungen durchführten.

Ähnlich wie der Pergamonaltar wurde auch das Markttor nach Berlin gebracht und dort wieder zusammengefügt. Allerdings wurde es im Zweiten Weltkrieg schwer beschädigt. Bis 2008 musste es restauriert werden.

Attraktion: das Ischtar-Tor

Das Pergamonmuseum beherbergt noch mehr Attraktionen. Etwa das holzvertäfelte Aleppo-Zimmer und die Mschatta-Fassade im Museum für Islamische Kunst. Letzteres ist Teil des unvollendet gebliebenen jordanischen Wüstenschlosses Mschatta aus dem 8. Jahrhundert. Das wurde 1840 entdeckt.

Der osmanische Sultan Abdulhamid II. verschenkte den Fund später an Kaiser Wilhelm II., weshalb die Fassade  1903 nach Berlin gebracht wurde. Eine wichtige Sehenswürdigkeit ist außerdem das prachtvolle Ischtar-Tor mit der Prozessionsstraße von Babylon im Vorderasiatischen Museum.

Ischtar-Tor kam in 800 Kisten nach Berlin

Das Tor war einst eines der Stadttore von Babylon und wurde von Nebukadnezar II. (605-562 v. Chr.) erbaut. Der Architekt Robert Koldewey machte sich 1899 an die Ausgrabungen und legte Teile des Tores im Jahre 1902 frei.

Nach Absprache mit der osmanischen Altertümerverwaltung in Konstantinopel wurden die Teile nach Berlin verschifft. Ein gewaltiges Unternehmen, für das etwa 400 Kisten nötig waren. Weitere 400 Kisten kamen 1927 dazu.

Nun begann die Puzzle-Arbeit. Die dauerte bis 1930. Doch was entstand, war etwas kleiner als das Original. Am einstigen Standort war das Tor 28 Meter breit und elf Meter tief. Heute ist das mit  blauglasierten Ziegeln gestaltete Bauwerk einer der großen Blickfänge im Pergamonmuseum.

Geschmückt ist es mit Darstellungen von Löwen, Stieren und Drachen – sie symbolisieren babylonische  Gottheiten. Das Tor ist auch eines der Bauwerke, das Cornelius Hartz in seinem Buch "7×7 Weltunder. Berühmte Stimmen zu den bedeutendsten Bauwerken der Antike" (Nünnerich-Asmus-Verlag, 19,90 Euro) anschaulich beschreibt.

Gesetzesstele und Turm zu Babel

Und die Attraktionen gehen weiter: Im Vorderasiatischen Museumsteil des Pergamonmuseums kann man eine Kopie der Gesetzesstele des Königs Hammurabi sehen, Reste des „Turms zu Babel“ und Teile verschiedener Tempel.

Viele Stücke wurden nach Russland gebracht

Im Zweiten Weltkrieg wurde das Pergamonmuseum von Bomben getroffen und schwer beschädigt. Glücklicherweise konnten viele Ausstellungsstücke rechtzeitig ausgelagert oder eingemauert werden. Doch die Freude währte nur kurz, denn die Rote Armee transportierte viele der Gegenstände 1945 nach Russland ab.

Vieles davon gab Russland schon 1958 an die DDR zurück. Zum Glück, denn so konnte der Pergamonaltar wieder aufgebaut werden. Einiges aber, darunter der Schatz des Priamos, lagert immer noch in Russland, obwohl Deutschland und Russland die Rückgabe bereits 1990 vertraglich vereinbart hatten.

Bauarbeiten: Pergamonaltar von Oktober 2014 bis 2019 nicht zugänglich

Es gibt große Pläne für das Pergamonmuseum: 2004 begannen Vorplanungen für die Instandsetzung und Ergänzung. Die Pläne sind Teil des 1999 beschlossenen Masterplans für die Wiederherstellung, Modernisierung und Entwicklung der im gleichen Jahr zum Unesco-Weltkulturerbe erklärten Museumsinsel.

Von Ende September 2014 bis voraussichtlich 2019 schließt das Pergamonmuseum. Grund sind die Sanierungsmaßnahmen im Rahmen des Masterplans Museumsinsel. Der Südflügel des Museums mit dem Ishtar-Tor, der Prozessionsstraße und dem Marktor von Milet bleiben aber geöffnet, ebenso das Museum für Islamische Kunst. Auf eine Besichtigung des Pergamonaltars muss man in dieser Zeit allerdings verzichten.

Hier finden Sie weitere Infos zu Berliner Museen

Thalia.de

Themen des Artikels

Weitere Artikel von Silke Böttcher

Ähnliche Artikel
Stiftsbibliothek Admont

Stift Admont in der Steiermark

Im Stift Admont in der Steiermark hat der Alpenbarock eine 1000-jährige Tradition. Es gibt Prunk, Mittelalter-Handschriften und tiefen Glauben mehr erfahren

Centre Pompidou, Paris, Kulturzentrum, Röhrengang

Centre Pompidou

In den siebziger Jahren war das Centre Pompidou ein Aufreger: Heute ist es ein umschwärmter Klassiker. mehr erfahren

Asmundur-Sveinsson-Museum

Das Museum in Reykjavik erinnert an den isländischen Bildhauer - es ist ein Touristenmagnet. mehr erfahren

East Side Gallery, Berlin, Berliner Mauer

East Side Gallery

Direkt an der Friedrichshainer Mühlenstraße lockt die East Side Gallery seit 1990 die Touristen an. Auf einem Stück der Berliner Mauer hielten Künstler ihre Eindrücke der politischen Veränderungen mit berührenden und humorvollen Gemälden fest... mehr erfahren

Kommentare

Eine Antwort hinterlassen