> > Bei Herrn von Ribbeck auf Ribbeck im Havelland

Bei Herrn von Ribbeck auf Ribbeck im Havelland

Herr von Ribbeck auf Ribbeck im Havelland, Ein Birnbaum in seinem Garten stand, Und kam die goldene Herbstzeit und die Birnen leuchteten weit und breit, Da stopfte, wenn’s Mittag vom Turme scholl, Der von Ribbeck sich beide Taschen voll, Und kam in Pantinen ein Junge daher, So rief er: “Junge, wiste ne Beer?“ Und dann kam ein Mädel, so rief er: Lütt Dirn, Kumm man röwer, ich hebb ne Birn“ …(Theodor Fontane)

Wohl jeder kennt das Gedicht, das Theodor Fontane über den Herrn von Ribbeck auf Ribbeck im Havelland schrieb. Und manche sagen es heute auch noch gerne auf. Vor allem natürlich, wenn sie den kleinen Ort Ribbeck im Havelland, etwa eine Dreiviertelstunde von Berlin entfernt, besuchen. Und dort auf einen leibhaftigen Herrn von Ribbeck  treffen. Denn Friedrich Carl von Ribbeck, Nachfahre des bei Fontane beschriebenen Gutsherrn von Ribbeck, lebt seit 15 Jahren wieder in seinem Geburtsort. Bei Führungen in seiner Brennerei erzählt er jede Menge über die Geschchte, verrät aber auch die Geheimnisse eines guten Birnenlikörs oder Birnenessigs.

Und kam die goldene Herbsteszeit

An der Seitenfront der Dorfkirche steht seit mehr als zehn Jahren wieder ein Birnbaum, als Ersatz für jenen berühmten, den 1911 ein Sturm entwurzelte. Den Stumpf des Entwurzelten kann man in der Kirche betrachten. Übrigens ist seit August 2013 auch geklärt, was für eine Birnensorte der freigiebige Herr von Ribbeck aus seinem Garten an die Kinder des Dorfs verteilt hat, damals vor 150 Jahren. Die Birne an der Ribbecker Kirche von heute ist es jedenfalls nicht, meint Friedrich von Ribbeck. „Die leuchtet nicht, ist klein, grün, hart und sauer.“ Ribbeck klärt auf: „Es ist die Melanchthon-Birne. Sie ist mittelgroß, süß und leuchtet im Herbst weit und breit.“ Der Pomologe Dr. Artur Steinhauser aus Mitterskirchen fand dies nach jahrelangen Forschungen heraus.

Und die Birnen leuchteten weit und breit,

Ribbeck ist ein lebendiges Museumsdorf, das heute viel mehr bietet als den Birnbaum vor der Dorfkirche. Der kleine Ort an der B 5 ist schlichtweg auf dem Weg zum Deutschen Kompetenzzentrum “Rund um die Birne”.  Ribbeck ist mittlerweile  auch ein Ort, wo man lernen kann, wie ein Gedicht nach mehr als 100 Jahre nach seinem Entstehen ein ganzes Dorf  ernährt. Es gibt fünf Cafes und kleine Restaurants. Selbst Politessen aus dem benachbarten Nauen kommen regelmäßig, um Sonntag Falschparker abzustrafen. Also aufgepasst. Am besten die Parkplätze am Ortseingang oder hinter der von Ribbeckschen Brennerei nutzen.

Ein Rundgang durch den Ort bietet viele Überraschungen, auch kulinarische, vor allem Gaumenfreuden.

So rief er: »Junge, wiste ’ne Beer?«

Für den Besuch des Schlosses braucht man Zeit, neben einem gut gestalteten Heimatmuseum mit allerlei Geschichten und Interpretationen zu Fontanes legendärem Gedicht hat dort auch die Touristinformation für das Havelland ihren Sitz. Die Damen geben gern Auskunft zu Sehenswürdigkeiten in der Umgebung oder zur Beschaffenheit der Fahrradwege. Das Schlossrestaurant bietet eine gute Küche, die aber hier auf dem Lande ruhig etwas bodenständiger sein könnte.

Sehenswert: Alte Schule

Schräg gegenüber lädt in der Alten Schule ein originelles und viele Erinnerungen an die Kindheit mancher Senioren weckendes Schulmuseum sowie auch ein Cafe ein. Axel Koziol und sein Team vom Kinder- und Jugendförderverein hat  Sehenswertes aufgebaut und vermittelt zudem viel Lehrreiches. Und wer Ruhe sucht, der kann diese im benachbarten zwei Hektar großen Garten der Sinne finden.

Neu: Der „Ribbäcker“

Der anschließende Bibelgarten wurde verpachtet und seit August 2013 laden in der einstigen Pfarrscheune das „Ribbäcker“ – Team um Björn und Nils Dreidax sowie Christine Ulbrich und Sandra Hübner zu  Speis‘ und Trank ein. Der Holzbackofen wird am Wochenende angeheizt. Lobenswert ist im „Ribbäcker“  das originelle Ambiente. Fahrräder hängen an der Wand, und gleich nebenan können diese zu Ausflügen ausgeliehen werden.

Auf dem Barfußpfad

Von dort geht es zum Kinderbauernhof Marienhof. Alternativ lassen sich  die zwei Kilometer auch auf dem Barfußpfad wandern. Es soll ja sehr gesund sein.

Das Haus neben der Bäckerei lohnt ebenfalls. Im Alten Pfarrhaus hat Gernot Frischling sein kleines Theater eröffnet. Das “Theater der Frische” bietet ein regelmäßiges Programm: Tanz, Poesie, Musik und Kabarett.

Herr von Ribbeck auf Ribbeck leibhaftig

Gegenüber vom fein herausgeputzten Herrenhaus – (um die Rückgabe des Familienschlosses bemühte sich die Familie vergeblich –   wohnt seit 1998 Carl Friedrich von Ribbeck. Sein Rat ist öfter denn je gefragt. Kinder, die das Gedicht “Herr von Ribbeck auf Ribbeck im Havelland” in der Schule lernen, schreiben ihm und bitten um Hilfe, wenn sie mit ihren Eltern oder Freunden nicht klarkommen.

Besucher, die heute an seine Pforte klopfen, führen der adlige Rückkehrer und seine Gattin Ute gern in die benachbarte Brennerei. Dort stellt Herr von Ribbeck Birnenessig nach eigener Rezeptur her und bietet im Elsass gebrannte Edelschnäpse aus Williams-Birnen an. Zusammen mit seiner Gattin füllt er jede Flasche von Hand ab. Liebhaberstücke mit Etikett und Siegel sind das.

Seit über 700 Jahren lebten die von Ribbecks im Havelland, bevor sie vertrieben wurden. Der 1939 geborene Friedrich-Carl  verbrachte seine Kindheit noch in Ribbeck. Für ihn war nach der Wende klar: Er musste zurück. Nach anfänglichen Schwierigkeiten mit der einheimischen Bevölkerung ist von Ribbeck heute der Spiritus Rector in dem Ort.

Berühmte Birnentortenmanufaktur

Von seinem Wohnhaus gegenüber dem Schloss schaut er auch auf das alte Waschhaus, denkmalgerecht von der Ribbecker Architektenfamilie Herrmann restauriert. Denn dort befindet sich die weit und breit wohl einzige Birnentortenmanufaktur von Marina Wesche. Es sind Kunstwerke von einzigartigen Torten, die man dort  verkosten kann.

Deutscher Birnengarten

Nicht versäumen sollte man einen Besuch in der Dorfkirche. Unter anderem kann man dort den Baumstumpf des legendären Birnbaumes bestaunen und an regelmäßigen Konzerten teilnehmen. Anschließend sollte man einen Spaziergang zum Familien Friedhof der Familie von Ribbeck unternehmen und im Garten vor dem Schloss den “Deutschen Birnengarten zu Ribbeck” besuchen. Alle Bundesländer sind dort mit Birnbäumen vertreten.

Übernachten im Landhaus von Ribbeck

Eine Überraschung ist das Landhaus Ribbeck auf der anderen Seite der alten Hamburger Straße. Liebevoll von Claudia und Thomas Jung zu einem Wohlfühl-Refugium wurde der ehemalige Schafstall umgebaut. Wer genau hinschaut, der findet auf den Ziegelsteinen den Stempel „Ribbeck“, denn auch früher gab es in dem Dorf einmal eine Ziegelbrennerei. Familie Jung sanierte fast ein Jahr lang das denkmalgeschützte Gebäude.

Borsigs imposantes Landgut

Wer noch nicht genug von Geschichte hat, der fährt mit dem Rad auf einem ausgebauten Fahrradweg (direkt von Ribbeck aus) oder mit dem Auto (über Berge) rund fünf Kilometer weiter nach Groß Behnitz zum einstigen Borsigschen Gut. Albert Borsig, Sohn des Firmengründers August, setzte dort Maßstäbe: mit moderner Landmaschinentechnik, einem  Bahnanschluss sowie einer Architektur, die gekonnt zwischen italienischem  Villenstil und moderner Ziegelarchitektur angesiedelt wurde. Nach Jahren des Leerstandes und Verfalls erweckte der Berliner Investor Michael Stober das Anwesen aus dem Dornröschenschlaf und sanierte es aufwendig.

Hier finden Sie weitere Tipps zu Reisen nach Brandenburg.

  • Entdecker-Infos
  • Info:| www.vonribbeck.de
  • Waschhaus: | www.waschhaus-ribbeck.de
  • TMB: | www.reiseland-brandenburg.de
  • Havelland: | www.havelland-tourismus.de/havelland/ribbeck.html
  • Schloss: |www.ribbeck-havelland.de/schloss.html
  • Frischlings Theater: | www.tanzcomedy.de/termine.html
  • http://www.marienhof-ribbeck.de/
  • Anfahrt: | Von Berlin kommend: Folgen Sie der B5 Richtung Nauen, dann bis in das 3.Dorf hinter Nauen

Themen des Artikels

Weitere Artikel von Dieter Weirauch

Kommentare

Eine Antwort hinterlassen