> > Heidedorf Wilsede – wie vor 100 Jahren

Heidedorf Wilsede – wie vor 100 Jahren

Im kleinen Heidedorf Wilsede, das mitten im Naturschutzpark Lüneburger Heide liegt, ist scheinbar die Zeit stehen geblieben. Die typischen Heidehöfe mit ihren Natursteinmauern, die Sandwege und die Straße aus Kopfsteinpflaster sehen noch genauso aus wie vor 100 Jahren. Neben den Schafställen sind Kutschen geparkt und bemalte Holzschilder weisen den Besuchern den Weg.

Wilsede kann nur zu Fuß, per Kutsche oder mit dem Rad erreicht werden –  Autos sind nicht erlaubt. Denn der romantische 40-Einwohner-Ort hat sich ganz bewusst alle Merkmale eines typischen Heidedorfs erhalten. Das industrielle Zeitalter konnte ihm nichts anhaben, und so ist Wilsede der wohl romantischste, aber auch einer der meist besuchten Orte der Lüneburger Heide.

Heidelandschaft um Wilsede erfüllt Klischee

Im August und September, wenn die Heideblüte die sandige Landschaft des Naturschutzparks in ein tiefes Lila verwandelt, das so hübsch zu dem Dunkelgrün der Wachholderflächen passt, wandern wieder Tausende Menschen den Wilsender Berg hinauf und wieder hinab, meist mit dem Ziel, sich in Wilsede zwischen Fachwerk- und Scheunenromantik eine Buchweizentorte schmecken zu lassen.  

Vom Wilseder Berg, der mit seinen 169 Metern die höchste Erhebung Norddeutschlands ist, hat man nicht nur einen fantastischen Blick auf die 230 Quadratkilometer Heideflächen, sondern kann bei gutem Wetter am Horizont Hamburg erahnen. Nirgendwo wird das Klischee der perfekten Heidelandschaft besser bestätigt als im Naturschutzpark Lüneburger Heide. Kein Auto stört das Idyll, stattdessen summen Bienen um ihre Körbe und erinnern einen daran, dass das Glas Heidehonig als Mitbringsel auf keinen Fall vergessen werden darf. Der Schäfer, der sich versonnen auf seinen Stab stützt und auf Heidschnuckenherde und Hund blickt, perfektioniert das Postkartenglück.

Seit mehr als 100 Jahren Naturschutz

Dabei ist diese lilafarbene heile Welt keineswegs so inszeniert, wie man meinen könnte. Seit vielen Jahrzehnten setzen sich die Bewohner der Heide für den Erhalt ihrer Traditionen ein und waren mit die ersten, die die Notwenigkeit von Naturschutz erkannt haben. Schon vor 100 Jahren, als es so etwas wie eine Ökobewegung noch gar nicht gab, wusste man, dass die verletzliche Heidelandschaft geschützt und erhalten werden muss. Gleichzeitig waren Dichter, Maler und andere Künstler fasziniert von dieser rauen, romantischen und doch mühseligen Melancholie, die einen bei einer einsamen Wanderung durch die nebelige Heidelandschaft erfüllt.

So wie die Menschen die Heidelandschaft erhalten wollen, so wurde sie einst  auch mit Hilfe von Menschenhand geschaffen. Intensive Landwirtschaft, Beweidung und Rodung lies den ohnehin nährstoffarmen Boden über Jahrtausende zunehmend versanden.  So konnte sich die Heide im Laufe der Zeit immer weiter ausbreiten. In den 5000 Jahren ist so ein komplexes und schützenswertes Ökosystem entstanden, das seltenen Tieren und Pflanzen Heimat bietet. Wer mehr über die Heide und das Leben der Heidebauern erfahren möchte, sollte sich Zeit für das Heidemuseum „Dat ole Huus“ in Wilsede nehmen, das selbst einst als Bauernhof gedient hat und originalgetreu erhalten ist.

Themen des Artikels

Weitere Artikel von F.O.

Kommentare

Eine Antwort hinterlassen