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Wandern in Saas-Fee: Rundweg und Gipfeltour

Der Weg zum Dreitausender-Gipfel in den Alpen ist üblicherweise beschwerlich und lang. Wir haben eine kleine, aber sehr feine Alternative gefunden. Die Rundwanderung durch die sommerlichen Schweizer Hochalpen im Wallis beginnt und endet in Saas-Fee. Ziel ist der Kleine Allalin, eher ein Hügel, aber immerhin 3069 Meter hoch.

Der kleine Ort Saas-Fee oben im Saastal ist autofrei und völlig auf den Tourismus ausgerichtet. Carl Zuckmayer, der sich Saas-Fee als Wahlheimat aussuchte und dort auch begraben liegt, erlebte in den 50er-Jahren den Bau der ersten Seilbahnen. Heute ist Saas ein mondäner Ski-und Wanderort, in dem sehr gern Reiche und Superreiche logieren, die von Öffentlichkeit nicht viel halten – also ganz anders als Sankt Moritz.

Wandern in Saas-Fee, Unterkunft in Almagell

Auch wenn es selbst in Saas-Fee einige bezahlbare Apartments geben soll, haben wir eine Unterkunft im Nachbarort Almagell gewählt, nicht zum ersten Mal übrigens. Das “Arizona“ ist ein Ferienhaus zum kleinen Preis mit tollen Wohnungen und Blick auf den Monte Moro.

Wir sind früh aufgestanden, um von „Felskinn“ nach „Plattjen“ zu laufen. Von Almagell sind es ein paar Minuten mit dem Auto nach Saas-Fee. Man kann auch mit dem Bus fahren, dann muss man aber in Saas Grund umsteigen. Die Busse fahren alle halbe Stunde mit Schweizer Pünktlichkeit, die ihren Preis hat: Etwas mehr als zehn Franken kostet das Retour-Billet pro Person.

Autofreies Saas-Fee

Wir kommen mit dem Auto, zahlen 13,50 Franken für ein Tagesticket in dem riesigen Parkhaus, das am Ortseingang in den Berg gebaut wurde und haben sieben Franken fürs Benzingeld gespart. Denken Sie an Zettel und Stift! Das Auto findet man im Parkhaus später nur wieder, wenn man sich die Nummer aufgeschrieben oder gemerkt hat (kann ich nicht). Alle Etagen sehen nämlich gleich aus – und es gibt viele davon. Für Saas-Fee sind autofreies Dorf und das riesige Parkhaus prima. Wer dagegen wie wir von unten auf die Gletscherarena schaut, sieht schon von weitem die graue Betonwand.

 Der kleine Marsch durch das Dorf erweckt den Eindruck, dass dort eigentlich nur Touristen wohnen, das täuscht aber. 1700 ständige Einwohner zählt die Gemeinde, gut 7000 Betten werden an Urlauber vermietet – ein ähnliches Verhältnis wie unter dem Matterhorn in Zermatt. Überall zwischen Edelboutiquen, Hotels und Sportgeschäften sind livrierte Hoteldiener (hier gibt es die noch) zu sehen, die mit Handwagen teuer aussehendes Gepäck die steilen Gassen hinaufziehen.

Dazwischen rollen die Elektrokarren der großen Hotels mit weiteren Bergen von Koffern (oder frischem Wildbret, Kobe-Rind und Kalb frisch von der Hochalm). Die Welt ist hier nicht stehengeblieben, dazu ist alles zu fein und zu technisch. Sie wirkt eher verrutscht, als ob man in ein Kaninchenloch gefallen ist und sich im Wunderland wiederfindet. Das Gefühl der Absonderlichkeit verstärkt sich am Ticketschalter.

Tickets für Gondelbahnen zum Allalin-Gletscher

Der Sonderpreis für die Rundwanderung beträgt „nur“ 44 Schweizer Franken. Pro Person. Die Einzeltickets wären zehn Franken teurer. Dafür kommen wir mit dem Alpin-Express bis zum „Masten 4“ und steigen dort um Richtung Felskinn. Vor dem 27. Juli hätten wir die Gondelbahn nehmen können, die direkt dorthin fährt. Parallel fahren beide Seilbahnen nicht.

Wir schweben über eine Bergflanke, die als Kulisse für einen Science-Fiction-Film dienen könnte, der auf einem wilden Planeten angesiedelt ist. Der nur wenige Wochen im Jahr eisfreie Hang verstärkt das Gefühl, in einer Fantasy-Welt gelandet zu sein. Aus der Kabine ist der Blick auf die schnee- und eisbedeckten Viertausender so unwirklich wie ein Fernsehbild.

Oben angekommen, ereilt mich unvermittelt die angenehme Wirklichkeit. Gierig atme ich die kalte, frische Bergluft ein und umarme meine Frau. Die Dimensionen rütteln sich zurecht, wir werden ganz klein, die Berge ganz groß, die Gipfel majestätisch, die Füße nass. Oops!

Gamaschen nicht vergessen!

Bevor noch mehr Schnee in die Stiefel rutscht, ziehen wir die Gamaschen über. Eine tolle Erfindung! Eine kleine Röhre mit einer Schlaufe unten und einem Reißverschluss am Rand. Überziehen, trocken bleiben – selbst im tiefen Nassschnee.

Dann zuckeln wir los. Der als Wanderweg dienende Fahrweg zur Britanniahütte ist überwiegend mit Schnee bedeckt, ab und an schimmert der Boden durch. Das Panorama ist bereits hier atemberaubend, jedoch leider in unserem Rücken. Vor uns liegt der Grat des „Hinter Allalin“, der die meiste Zeit die Sicht auf das Monte-Rosa-Gebiet versperrt. Bereits nach einer halben Stunde jedoch haben wir die Britannia-Hütte erreicht, die oben auf dem Grat liegt. Nun öffnet sich der Blick auf den Mattmark-Stausee unten und hinüber zum Monte-Moro-Pass, den wir gestern überquert haben, und rechts davon stehen unzählige Viertausender (es hat sie jemand gezählt und ist auf 19 gekommen. Ich kann das nicht überprüfen).

Britannia-Hütte auf halben Weg

Die Britannia-Hütte, obgleich zum Schweizer Alpenverein (eigentlich –club) SAC gehörend, ist für viele nichts anderes als eine Jausenhütte. In der Hochsaison ist kaum ein Platz zu bekommen. Stille sucht man vergeblich. Wir beobachten später einige sehr genervt aussehende Bergsteiger, die wohl vor der Morgendämmerung zum Allalinhorn (4027m) aufgebrochen waren und nun aus der stillen Einsamkeit der majestätischen Bergwelt zur Alpenhütte zurückkehrend sich inmitten einer lärmenden Schar von Touristen wiederfinden. Immerhin hatte der Wirt den besten Tisch für sie reserviert. Wir hatten ebenfalls keine Freude an den teils nur mit Turnschuhen und Shorts ausgerüsteten, lärmenden Mitwanderern und sind auf den direkt neben der Hütte liegenden Kleinen Allalin gegangen.

Gipfel "Kleiner Allalin" mit grandiosem Rundumblick

Ein wenig muss man schon die Hände zur Hilfe nehmen, aber klettern kann man das eigentlich nicht nennen. Auch die 30 Höhenmeter von der Hütte aus sind keine Herausforderung. Dennoch fanden wir auf dem Gipfel einen Platz, wie man ihn sonst nur nach stundenlanger Plackerei erreicht. Akustisch von der Britannia-Hütte abgeschirmt, öffnet sich ein 300-Grad-Panoramablick. Der nahe Egginer ist von einer gütigen Macht so geschickt platziert worden, dass der Blick frei auf das Amphitheater der Alpen über Saas schweifen kann. Rechts von der Südwand des Egginer schauen wir bis hinüber zum Berner Oberland. Im Westen und Süden sind die Gipfel der Berge zu sehen, die die Grenze zu Italien markieren.

Wir haben sehr lange dort oben gesessen, schweigend, genau wie die junge Frau, die schon da war und erst sehr genervt aussah, als wir ebenfalls dort eintrafen. Nach einer halben Stunde Schweigens hat sie uns zugelächelt, und als nach drei Stunden einige lärmende junge amerikanische Touristen sich dem Gipfel näherten, sind wir gemeinsam wortlos abgestiegen.

Rache ist süß! Ruhestörer pudelnass

Die Rache für die Ruhestörung folgte auf dem Fuße. Der Rundweg verläuft nun nämlich durch ein ausgedehntes Schneefeld, das weglos 200 Höhenmeter abfällt und auch im Sommer eine Tiefe bis zu zwei Metern erreicht. Dank der entsprechenden Ausrüstung mit Regenhose und –jacke, Gamaschen und wasserfesten Bergschuhen hat uns die Rutschpartie Spaß gemacht.

 Unsere amerikanischen Begleiter, die uns johlend ein- und überholten, änderten nach wenigen Minuten ihren Tonfall von übermütig prahlend in wehleidig quiekend. Bei einer Temperatur wenige Grad über dem Gefrierpunkt und ohne jede weitere Möglichkeit, sich aufzuwärmen, ist es keine Freude, erst in Shorts durch ein nasses Schneefeld und dann anderthalb Stunden mit nassen, quietschenden Turnschuhen über einen felsigen Gebirgsweg dicht an einem mehrere hundert Meter tiefen Abgrund zu wandern.

Zeit für das Panorama der italienisch-schweizer Gipfel

Wir haben uns auf dem eigentlich nur 90 Minuten währenden Restweg zur Gondelbahn von Plattjen nach Saas-Fee viel Zeit gelassen. Der grandiose Talblick ist nur etwas für wirklich schwindelfreie Menschen, weil der Weg über lange Strecken am Rand des Steilhanges entlang führt.

Wir haben viele Felsen am Wegesrand als Bank genutzt und den Blick über eine der schönsten Landschaften der an Höhepunkten nun wirklich nicht armen Alpen schweifen lassen. Mit großer Wehmut, dass der Spaziergang nach „nur“ sechs Stunden bereits vorüber war, sind wir von der Bergstation Plattjen wieder ins Tal gefahren. Dieses Mal blieb das Gefühl für die Umgebung realistisch. Die Abfahrt in das gewaltige natürliche Amphitheater über Saas ist allein für sich schon ein Erlebnis. Wenn ich einmal alt und gehbehindert bin, dachte ich, kann ich doch noch hier auffahren und die Aussicht genießen.

Durch die inzwischen aufgetauchten Gruppen japanischer, amerikanischer, australischer und (jawohl!) schweizerischer Touristen sind wir im Eilmarsch zum Parkhaus gelaufen – und haben lange in den Betonbunkern nach unserem Auto gesucht. Wir hatten nämlich den Tipp mit Stift und Zettel nicht bekommen.

Hier finden Sie weitere Tipps zum Urlaub in den Bergen

 

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