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Das Thai für Nicht-Thailänder im Urlaub heißt Englisch

Es gibt drei Ausdrücke, die sich jeder Tailand-Besucher einprägen sollte. Sawati-ka heißt „Guten Tag“, Kop kun ka „Danke“, und das Wichtigste: Mai ben lai. Das lässt sich nicht ganz genau übersetzen. Es bedeutet alles Mögliche von "Keine Ursache" bis "Nix passiert". Man sagt es, wenn man den Eindruck hat, das thailändische Gegenüber könnte aus irgendeinem Grund verlegen sein. Die Reaktion auf „Mai ben lai“  ist immer dieselbe: große Freude und ein befreites Lachen. Umgekehrt deutet es auf einen begangenen Fauxpas hin, wenn ein Thailänder "Mai ben lai" zu einem Touristen sagt.

Thai zu sprechen ist niemals einfach

So einfach ist es natürlich nicht. Denn die ersten beiden Ausdrücke sind nur für Frauen. Männer sagen statt „ka“ am Ende „krap“. Sagt der Mann etwa „Kop kun ka“, hat man einen Thailänder sehr erheitert. Ganz Eifrige lernen weitere Vokabeln. Aber glauben Sie mir: Diese drei Phrasen einigermaßen richtig auszusprechen und zu betonen, reicht für drei Wochen Urlaub komplett aus. Im Thai kommt es nämlich nicht nur auf Betonung und Tonhöhe an, sondern auch auf eine exakte Länge der Vokale. Ohne professionellen Unterricht ist da gar nichts zu machen.

Stattdessen macht sich der Tourist zunutze, dass im thailändischen Bildungssystem jedes Schulkind Englisch lernt. Mit einfachen englischen Begriffen kommt man fast überall durch. Allerdings geht es den Thailändern umgekehrt genauso wie uns: Sie verstehen Aussprache und Betonung des Englischen nicht wirklich.

Thailänder sprechen Englisch – nur anders

Ein Beispiel: Auf der Suche nach unserem Resort namens „Rose Garden“ am Strand von Koh Samui, das recht versteckt am Ban Lamai liegt, sind wir knapp eine Stunde umhergeirrt, weil niemand unsere Frage nach dem Resort verstanden hat. Nun sagt der Thailänder nicht etwa „Nein“ oder „Weiß ich nicht“, sondern schickt einen irgendwo hin. Standardantwort: „Nicht weit in diese Richtung“.

Inzwischen weiß ich, dass die Verlegenheit, die der freundliche Mensch deutlich sichtbar zeigt, auf seine komplette Ahnungslosigkeit hinweist. Die Auflösung kam mit einem Taxifahrer, der sich den Namen "Rose Garden" aufschreiben ließ. „Loh Gaddéhn!“, rief er und zeigte uns den Weg.

Das wissend, sprach ich das Englische künftig „deutsch“ aus, um verstanden zu werden. Das klappte ganz gut. Umgekehrt ist es allerdings nicht so einfach. Die Thailänder verschlucken fast immer das „s“ im Wortinneren, sprechen „r“ als „l“ aus und nuscheln fürchterlich. Dank der immer freundlichen und gelassenen Einstellung kommt Stress bei Verständigungsschwierigkeiten aber nur auf Seiten ungeduldiger Urlauber auf.

Lautes Sprechen macht Thailänder verlegen

Zwei weitere Regeln sollte man beachten, um bei aller eigenen Freundlichkeit und Gelassenheit sein Gegenüber nicht zu verschrecken. Zum einen ist es wichtig, die meist vorhandene überragende Körpergröße zu reduzieren. Sich hinzusetzen, während der andere steht, um auf Augenhöhe zu kommunizieren, mag für einen höflichen Europäer ungewohnt sein, ist aber ein Zeichen von Respekt. Wo das nicht geht, reicht es, ein wenig mehr Abstand zu wahren, damit der andere sich nicht überragt fühlt.

Zum anderen ist die Lautstärke des gesprochenen Worts eminent wichtig. Der Thailänder redet immer gerade so laut zu Fremden, dass er verstanden werden kann. Lauter zu reden bedeutet Aggression oder unkontrollierte Gefühle. Wir tendieren dazu, lauter zu sprechen, wenn wir nicht verstanden werden. Damit kann man einem Thailänder wirklich Angst machen.

Fettnäpfchen bei formeller Begrüßung "Wai"

Schließlich ist der thailändische Gruß, der „Wai“, in schwierigen Situationen hilfreich. Ähnlich wie beim Händeschütteln in Europa wird der Wai nur in förmlichen Situationen, etwa bei einem Bankbesuch angewendet, aber er ist auch eine gute Möglichkeit, seinen Respekt auszudrücken. Wichtig ist zum einen die Höhe der gefalteten Hände. Wer die Hände unterhalb des Kinns hält, drückt damit in manchen Situationen Herablassung aus, vor allem, wenn es sich nicht um einen allgemeinen Gruß für eine Gruppe handelt, sondern er einer konkreten Person gilt.  Noch wichtiger ist es, bei dem Gruß den Kopf leicht zu senken. Die traditionellen Bilder, in denen kunstvoll herausgeputzte Menschen die Hände auf Brusthöhe mit abgewinkelten Armen zusammenlegen, haben keinen Bezug zum Alltag.

Lächeln und Mimik in Thailand leicht durchschaubar

Und natürlich sollte man in Thailand lächeln, umso breiter, je hilfloser man sich fühlt. So machen es die Thailänder auch. Und lassen Sie sich nicht einreden, das Lächeln sei undurchschaubar. Im Gegenteil: Ich habe in Deutschland nur selten so offen im Gesichtausdruck der Menschen lesen können, wie es in Thailand die Regel ist. Und es stimmt auch nicht, dass Thailänder immer lächeln. Verachtung, Ärger und schlechte Laune lassen sich die Leute sehr deutlich anmerken.

Fazit: Wenn ich das nächste Mal nach dem Weg frage, als Antwort eine verunsicherte Miene und „Ein Stück da die Straße hinunter, nicht weit“ bekomme, sage ich lächelnd „Mai ben lai“, mache den Wai, und alle sind zufrieden. Außer mir, denn ich kenne den Weg zum Ziel immer noch nicht.

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