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Ungarns Kleinod: Schloss Esterházy

Königlich – so könnte man das Gefühl beschreiben, das unweigerlich entsteht, wenn man durch das dreiteilige schmiedeeiserne Tor von Schloss Esterházy schreitet. Dem schönsten Rokokoschloss Ungarns scheint die Zeit kaum zugesetzt zu haben, so detailgetreu wurde es nach der Wende restauriert. Sofort erklingt im inneren Ohr barocke Musik und jeden Moment, so könnte man vermuten, tauchen Damen in großen Reifröcken und Herren mit gepuderten Perücken auf.

Gebaut nach dem Vorbild von Versailles

Zu Beginn des 18. Jahrhunderts war das nahe der Grenze zu Österreich gelegene Schloss Esterházy noch ein kleines Jagdschloss. Doch als Fürst Nikolaus I. das Schloss Versailles bei Paris gesehen hatte, war er von dessen Architektur so begeistert, dass er einige Wiener Hofbaumeister damit beauftrage, das kleine Schloss nach dem Vorbild Versailles' umzubauen. 64 Jahre sollte die aufwendige Umgestaltung dauern, denn das Repräsentationsbedürfnis der Fürstenfamilie Esterházy war groß. Wie groß, das wird deutlich, wenn man die zum Teil noch original erhaltenen Räume betritt: Die Wände sind aufwändig vertäfelt und teils mit wunderschönen pastellfarbenen Malereien verziert, unter den großen Spiegeln stehen schlanke Mamortischchen. Vergoldet ist auch der Stuck und an den Wänden hängen die Gemälde der Fürstenfamilie, die milde lächelnd und etwas blassgesichtig auf die Besucherströme hinunterblickt. Es scheint als wollten sie sagen, dass sie gleich wiederkommen und sich an das Cembalo setzen, das aufgeklappt in einem der Räume steht. Auf einem Pult liegen Notenblätter, davor ein Streichinstrument, das nur kurz zur Seite gelegt worden war und nun darauf wartet, dass sein Spieler zurückkehrt.

Haydn führte auf Schloss Esterházy seine "Abschiedssymphonie" auf

Musik war am Hofe Esterházy eine wichtige Sache, so wichtig, dass sich Fürst Esterházy einen Hofkomponisten leistete. Und dieser war Joseph Haydn, der berühmte Begründer der Wiener Klassik. Im Konzertsaal des Schlosses wurde im Jahre 1772 Haydns später sehr beliebte „Abschiedssymphonie“ uraufgeführt. Im Laufe des Stückes faltete ein Musiker nach dem anderen seine Noten zusammen, blies die Kerze am Pult aus und verließ die Bühne. Am Schluss war er nur noch einer, der das Stück zu Ende spielte. Die Musiker wollten dem Fürsten damit damals verdeutlichen, wie sehr sie ihre Familien vermissen. Der Fürst verstand und entließ sie in ihren verdienten Urlaub.

Sommerresidenz der Fürstenfamilie

Es gibt übrigens zwei Schlösser, die Esterházy genannt werden und auch der gleichen Fürstenfamilie gehörten. Während das Schloss Esterházy im österreichischen Eisenstadt als Winterresidenz diente, zog die Familie dieses Schloss, das heute am Rande des westungarischen Fertöd – 185 Kilometer von Budapest entfernt – liegt, im Sommer vor. Deshalb spricht man auch zur besseren Unterscheidung von Schloss Fertöd und Schloss Eisenstadt. Ähnlichkeiten bestehen übrigens auch mit dem Schloss Schönbrunn in Wien.

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