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Auerbachs Keller und Goethes Faust

Ein Muss für jeden Leipzig-Besucher ist Auerbachs Keller in der attraktiven Einkaufsmeile Mädlerpassage. Das alte Kellerwirtshaus gilt als die bekannteste Gaststätte Leipzigs.

Goethe zechte in Auerbachs Keller

Vor allem Johann Wolfgang von Goethe machte das bereits seit 1483 existierende Weinlokal berühmt. Während seines Studiums weilte der spätere Dichterfürst 1765 bis 1768 oft in Auerbachs Keller. Hier sah er die beiden um 1625 entstandene Bilder auf Holz, auf denen der Magier und Astrologe Faust mit Studenten pokuliert. Auf dem anderen Bild reitet er auf einem Weinfass zur Tür hinaus.

Die Faustsage kannte Goethe bereits aus Kindertagen durch das Puppenspiel vom Dr. Faust, das damals auf Jahrmärkten aufgeführt wurde. Mit der Szene „Auerbachs Keller in Leipzig“ in seinem Faust I hat er seinem einstigen Studentenlokal und der Stadt Leipzig ein literarisches, wenn auch durchaus ironisches Denkmal gesetzt. Er schrieb: „Mein Leipzig lob ich mir! Es ist ein klein Paris und bildet seine Leute.“

Leipzig und Auerbachs Keller

Oft fragen Gäste, woher der Name Auerbachs Keller stammt. Während meines Besuchs in „Klein Paris“, hatte der Nachtwächter dafür folgende Erklärung: Der Weinausschank wurde schon 1438 erwähnt. Ihren heutigen Namen erhielt die Gaststätte nach dem damaligen Eigentümer, dem Leipziger Stadtrat und Medizinprofessor Dr. Heinrich Stromer, der nach seinem Geburtsort Auerbach in der Oberpfalz nur „Dr. Auerbach“ genannt wurde. Als Leibarzt des Kurfürsten von Sachsen ließ ihm dieser wegen treuer Dienste das Weinlokal einrichten.

Zustand von 1913

Das Gebäude wurde mehrmals umgebaut. Seine jetzige Gestalt erhielt der Eingang im Jahr 1913, als das Messehaus Mädlerpassage in großen Teilen neu gebaut und erweitert wurde. Dabei sind auch die beiden Figurengruppen, das Doppelstandbild Mephisto und Faust und die Gruppe der verzauberten Studenten aus der Werkstatt des Bildhauers Mathieu Molitor am Eingang zu Auerbachs Keller entstanden.

Zum Nachtisch “Leipziger Lerchen”

Getrunken und gegessen wird hier gutbürgerlich. Seit Jahren steht die Rindsroulade mit Rotkohl auf der Speisekarten, im Wechsel mit Wildschweinbraten. Zum Nachtisch gibt es die Backspezialität “Leipziger Lerche” oder das “Quarkkäulchen”. Leider riechen das ganze Lokal und auch die angrenzenden vier historischen Weinstuben (Fasskeller, Lutherzimmer, Goethezimmer und Alt-Leipzig) ständig nach Rotkohl. Àber, seis drum: Wie das Münchner Hofbräuhaus gehört Auerbachs Keller zum Pflichtprogramm wohl fast jeden Leipzigbesuchers.

So sagt der Volksmund: „Wer nach Leipzig zur Messe gereist, Ohne auf Auer­bachs Hof zu gehen, Der schweige still, denn das beweist. Er hat Leipzig nicht gesehen.” Übrigens, ob wirklich Wein aus der Tischkante geflossen ist oder der berühmte “Ritt auf dem Fass” stattfand, das ist den mehreren hundert Besuchern, die täglich in dem historischen Gewölbe einkehren, schlichtweg egal.

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