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Indian Summer: New Hampshire trägt bunt

Immer wenn es Herbst wird in New Hampshire, setzen die Bäume auf Farbe. Das Grün, das sich bisher kilometerweit erstreckt hat, wird erst durchzogen durch Orange, Knallrot und leuchtendes Gelb, und nach einiger Zeit ist es ganz verschwunden. Was bleibt, ist ein Flammenspiel.

Atemberaubendes Spektakel

Wer jetzt sagt, „das kenne ich doch – Herbstverfärbung eben“, der war noch nie in New Hampshire im Nordosten der USA. Was in Mitteleuropa rot ist, wird hier noch roter, Orange und Gelb leuchten intensiver. Das Spektakel ist so eindrucksvoll, dass es Jahr für Jahr Tausende von Touristen anlockt.

Die Erklärung für das Schauspiel ist einfach, und wie so oft eher nüchtern. Immer im späten Herbst ist es in den Neuengland-Staaten Connecticut, New Hampshire, Maine, Massachusetts, Rhode Island und Vermont besonders warm, nachts aber gibt es schon Frost. Die Verbindung aus Nachtfrost und Tageswärme färbt die Blätter besonders intensiv. „Indian Summer“ wird das Phänomen auch genannt, und für die bunten Blätter haben die Menschen in Neuengland den Begriff „fall foliage“ („Herbstblatt“).

Sicher ans Ziel kommen
Bei der Tour über die Straßen von New Hampshire bietet es sich stets an einen gewissenhaften Blick auf die Karte zu werfen. Analoges und digitales Kartenmaterial für den gesamten Nordamerikanischen Raum gibt es auf www.falkshop.de

"Leaf Peeper" staunen über die bunten Blätter

In New Hampshire hat man sich längst an die Menschen gewöhnt, die ihre Heimat im Herbst heimsuchen und immer wieder am Straßenrand anhalten, um einen besonders schön verfärbten Baum oder Berghang zu fotografieren. „Leaf peeper“ („Blattgucker“) werden die Touristen liebevoll genannt. Und es gibt viel zu gucken. Besonders ins Zeug legt sich der Ahorn, aber auch die anderen Laubbäume halten mit im Wettstreit um die schönsten Farben.

Englische Ursprünge in New Hampshire

Wer schon mal da ist, der guckt sich in New Hampshire, dessen Hauptstadt Manchester etwa 85 Kilometer von Boston entfernt ist, auch noch andere Sehenswürdigkeiten an. Der Bundesstaat, dessen Motto „Lebe frei oder stirb“ ist (was sich auch darauf bezieht, dass es hier keine Mehrwert- oder Einkommenssteuern gibt), hat reichlich davon zu bieten.  Etwa die zauberhaften kleinen Häuser, die ein bisschen europäisch wirken und daran erinnern, dass Neuengland früher tatsächlich besonders von englischen Siedlern bewohnt wurde (die Geschichte der Pilgerväter, die 1620 die Siedlung Plymouth gründeten, kennt man ja noch aus der Schulzeit).

Eisige Kälte auf dem Mount Washington

Die größte Sehenswürdigkeit von New Hampshire aber ist die Natur. Dazu zählen die White Mountains, die zu den Appalachen gehören und deren höchste Erhebung der Mount Washington ist. 1917 Meter hoch ist er, und wer einmal oben ist, der weiß, warum dort oben T-Shirts mit der Aufschrift „I survived World’s worst weather“ (Ich habe das schlechteste Wetter der Welt überlebt) verkauft werden. Der Berg ist eine der kältesten Regionen der Welt. Minus 40 Grad sind keine Seltenheit. Für Wanderer, die auf steilen Wegen nach oben steigen, bedeutet das, auch bei warmem Wetter an warme Kleidung zu denken.

Mit der Zahnradbahn auf den Gipfel

Es gibt eine Straße (mautpflichtig), aber viel reizvoller ist es, die Strecke mit der Zahnradbahn zu bewältigen. Die schnauft langsam auf den Berg hoch und spuckt die Fahrgäste oben wieder aus. Der erste Eindruck ist überwältigend: Während es unten im Tal noch sommerlich warm ist, kann hier schon Schnee liegen. Wegen des Windes klebt er in dicken Schichten am Besucherzentrum, auf das die Passagiere zustreben – sofern der Wind es zulässt. Innen erfährt man einiges über den Berg und die ansässige Wetterwarte und kann sich eines von den schon erwähnten T-Shirts kaufen. Danach geht es wieder ins Tal, dem Spätsommer entgegen.

Überdachte Brücken in New Hampshire

Wer in New Hampshire unterwegs ist zu Zielen wie dem Crawford Notch State Park, der stößt immer wieder auf eine Sehenswürdigkeit, die typisch für New Hampshire und die anderen Neuengland-Staaten ist:  die sogenannten Covered Bridges. Es sind Holzbrücken, die mit Dächern versehen sind und die aus der Zeit stammen, als man noch mit Pferden unterwegs war und ihnen die Angst vor den reißenden Flüssen nehmen wollte. Heute freuen sich Wanderer, wenn sie vor plötzlichen Regenschauern unter die Dächer flüchten können.

Und weil auch Liebespaare die Covered Bridges schätzen, haben sie den Spitznamen „Kissing Bridges“ bekommen. 50 solcher Brücken gibt es in New Hampshire, etwa die 1876 erbaute Jackson Bridge über den Ellis River oder die Saco River Bridge von 1890 bei Conway, die den gleichnamigen Fluss überquert. Die Brücken sind beliebte Fotomotive, denn sie sind mit viel Liebe zum Detail erbaut worden.

Wandern durch die Klamm

Eine solche Brücke findet sich auch im Franconia Notch State Park, der zum White Mountains National Forest gehört. Die Pemigewasset Bridge stammt aus dem Jahr 1886. In dem Park gibt es aber noch mehr Sehenswürdigkeiten: die 240 Meter lange Klamm etwa, die man auf einem schmalen Weg erkunden kann, oder eine Seilbahn, mit der man auf den Cannon Mountain kommt. Nur den Old Man of the Mountain wird man nicht mehr zu sehen bekommen: Die Felsformation am Cannon Mountain, deren Form an das Gesicht eines alten Mannes erinnerte, stürzte 2003 ab, die Sehenswürdigkeit von New Hampshire ist heute nicht mehr zu erkennen.

Der Franconia Notch State Park liegt an einer Straße, die zu den schönsten in New Hampshire zählt. Der Kancamagus Highway verläuft von Conway nach Lincoln (und umgekehrt) und entstand im Jahre 1959.  Benannt ist die Straße, die als Scenic Highway bezeichnet wird, nach einem Indianerhäuptling, der Name bedeutet so viel wie „Der Furchtlose“. In New Hampshire heißt die Straße kurz und bündig „The Kanc“ (Infos: www.kancamagushighway.com).

Ein Abstecher zu den kleinen Orten lohnt sich. Nicht nur weil die Häuser im Herbst mit Kürbissen und Halloween-Figuren geschmückt sind, die so originell sind, dass man sich Ideen klauen kann. Und hier gibt es neben hübschen, liebevoll eingerichteten Häusern, die oft mit Bed and Breakfast-Angeboten locken, auch wunderschöne Luxushotels. Und schneeweiße Holzkirchen. Doch denen stehlen die Bäume mit ihrer Flammenpracht im Herbst glatt die Schau.

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