> > Wo Shakespeare einst wirkte: Globe Theatre, reloaded

Wo Shakespeare einst wirkte: Globe Theatre, reloaded

Das wohl einzige Strohdach in London befindet sich auf einem Neubau. Eigentlich ist es seit dem großen Stadtbrand 1666  verboten, so zu bauen. Für die Wiedererrichtung des Globe Theatre drückte die Stadtverwaltung aber ein Auge zu. Fürchten muss sich kein Besucher: Die Sicherheitsauflagen waren extrem hoch.

Die Geschichte des Theaters, in dem die Werke von Shakespeare uraufgeführt wurden, ist eine doppelte. 1599 entstand das Theater als Fachwerkhaus in O-Form. Die Theatergesellschaft The Kings Men, an der William Shakespeare mit 12,5 Prozent beteiligt war, musste das Haus 1613 erneut aufbauen, weil ein Feuer das Original zerstört hatte. Diesmal wurde das Dach mit Ziegeln gedeckt.

Puritaner ließen Theater schließen

1642 setzten sich die Puritaner durch, schlossen alle Vergnügungsstätten in London und damit auch das Globe Theatre.  Dieses verfiel, wurde schließlich abgerissen und überbaut.

Der zweite Teil der Geschichte begann 1989, als bei Bauarbeiten Fundamente des Globe Theatre wiedergefunden wurden, und 1997, als ein paar hundert Meter von ursprünglichen Standort entfernt ein Nachbau eröffnet wurde, der unter Berücksichtigung alter Dokumente und Zeichnungen so originalgetreu wie irgend möglich errichtet wurde. Am Originalschauplatz stehen heute Wohnhäuser, die ebenfalls unter Denkmalschutz stehen. Dagegen war direkt neben der Tate Gallery of Modern Art noch Platz für das Shakespeare-Museum.

Insofern hat der Besuch des Globe Theatres in London etwas Bizarres. Der Eindruck ist: hier hat Shakespeare gearbeitet, so hat Theater im 17. Jahrhundert stattgefunden, das ist das Original. Der Verstand sagt: alles Neubau, und auch die modernen Brandschutzvorschriften sind umgesetzt. Übrigens: Wer hier auf den Geschmack gekommen ist, kann eine Viertelstunde Fußmarsch entfernt themseabwärts auch das London Dungeon besuchen, in dem auf weniger ernsthafte Weise die dunkle Seite des Mittelalters nahe gebracht wird.

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Zeitreise zu Shakespeare

Zwar hat es nicht für die Top-Ten-Liste der wichtigsten Sehenswürdigkeiten in London gereicht, ein Besuch des Theaters ist aber in jedem Falle lohnenswert. Und eine Zeitreise ist es allemal. So muss man einfach selbst erlebt haben, wie der Innenraum des Mini-Stadions ohne jedes Dach völlig schutzlos dem Regen ausgeliefert ist, was bei Open-Air-Konzerten heute noch usus ist. Eine Theaterkarte, um im Regen zu stehen, würde heute wohl kaum noch jemand kaufen.

Interessant auch, wie dicht die Schausieler das Publikum an sich heran ließen. Für besonders viel Geld konnten sogar die Logen hinter der Bühne gebucht werden, die einen entscheidenenden Vorteil hatten: Wer dort saß, sah nicht nur gut, er wurde auch gut gesehen.

Heute besteht das Globe Theatre in London aus zwei Teilen: dem Nachbau selbt, der für London-Touristen im Grunde ein must have ist. Und dem Nachbargebäude, in dem eine umfangreiche Ausstellung zur Geschichte des Theaters und dem Neubau zu finden ist.

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