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Allgäuer Märchenschloss: Neuschwanstein

Wenn es darum geht, ein echtes Märchenschloss zu beschreiben, dann landet man unweigerlich bei Schloss Neuschwanstein. Mit seinen Türmchen und Zinnen wirkt es ein bisschen wie aus der Zeit gefallen. Wer das Schloss bei Füssen im Allgäu anschaut, würde nicht staunen, wenn plötzlich eine Horde Ritter vor ihm stehen würde.

Erbaut wurde Schloss Neuschwanstein, das tatsächlich als idealisierte Idee einer mitterlichen Ritterburg entstand, ab 1869 für den bayerischen König Ludwig II.  Heute gehört das Gebäude, das zu den bekanntesten Sehenswürdigkeiten Deutschlands zählt, dem Land Bayern.

Zwei Ruinen inspirierten Ludwig

Schon bevor Neuschwanstein auf der Spitze eines Felsrückens erbaut wurde, standen an gleicher Stelle zwei kleine Burgen, oder vielmehr deren Ruinen. Ludwig kannte die Trümmer aus seiner Kindheit und nahm sich als erstes Projekt den Wiederaufbau eines der beiden Bauwerke vor. Er hatte genaue Vorstellungen von seinem Schloss. Inspirationen holte er sich von der Wartburg bei Eisenach und vom Schloss Pierrefonds in Frankreich.  1884 war das Schloss soweit fertig, dass der König einziehen konnte. Allerdings war es noch Baustelle, als der König 1886 starb.

Das legendäre Märchenschloss
Schon gewusst? Bis auf das Disney-Märchenschloss ist Neuschwanstein das einzige Schloss, das jährlich Profit abwirft. Eindrucksvolle Bildbände und spannende Romane zum legendären Schloss gibt es auf thalia.de

Eine Hommage an Richard Wagner

Ludwig hatte das Schloss dem Werk Richard Wagners gewidmet – obwohl nur der König und die Diener darin wohnten. Vieles war mehr Dekoration, mancher könnte sogar Theaterkulisse dazu sagen. Der Schönheit des Gebäudes tat dies freilich keinen Abbruch.

Der menschenscheue Ludwig hatte nicht vor, Neuschwanstein der Öffentlichkeit zu zeigen, doch schon wenige Wochen nach seinem Tod wurden die ersten Besucher eingelassen: Die Nachlassverwalter des Königs erhofften sich einen warmen Geldregen, um die Bauschulden zu bezahlen.

Den Zweiten Weltkrieg überstand das Schloss vollkommen unbeschädigt. Die Nazis nutzten es als Depot für Beutekunst, später lagerten hier Goldschätze. Noch später war Neuschwanstein Inspirationsquelle für Film-Dornröschenschlösser und die Paläste bei Disney. Es war Filmkulisse, inspirierte Künstler wie Andy Warhol und hätte es 2007 beinahe auf die Liste der sieben neuen Weltwunder geschafft.

So blieb es „nur“ eine der bedeutendsten  Sehenswürdigkeiten Deutschlands. Ein romantisch inspiriertes Bauwerk mit Türmen, Giebeln, Balkonen und Zinnen vor der Kulisse des Voralpenlandes. Auffälligstes Gebäude ist der 45 Meter hohe Viereckturm mit einer umlaufenden Aussichtsplattform. Weitere Gebäude sind das Ritterhaus, der türmchenbewehrte Palas und die Kemenate. Richard-Wagner-Fans erkennen in den Bauten die „Burg zu Antwerpen“ aus dem ersten Akt von „Lohengrin“. Alle anderen bewundern einfach nur den Anblick des eindrucksvollen Gebäude-Ensembles.

Prächtige Räume und viele Schwäne

Innen wurden 15 (statt ursprünglich geplanter 200) Zimmer fertiggestellt, darunter der riesige Thronsaal und der ebenso prächtige Sängersaal mit Themen aus „Lohengrin“ und „Parzifal“. Wandbilder befassen sich mit Geschichten um Liebe, Schuld, Buße und Erlösung,  und immer wieder finden sich Darstellungen des Schwans, des Wappentiers der Grafen von Schwangau.

Übrigens gab es im Schloss sogar eine Klingelanlage, einen damals sehr modernen Herd, eine Heißluft-Zentralheizung und eine Warmwasseraufbereitung.  In vielen Räumen stehen noch die originalen Möbel, einige Zimmer nehmen Bezug auf Wagner-Opern.  Während die königlichen Gemächer sehr prächtig sind, musste die Dienerschaft auf schmalerem Fuß leben: ein Tisch, ein Schrank und ein Bett – viel mehr stand nicht in den Diensträumen.

Viele der Räume kann man im Rahmen einer Führung besichtigen. Im Schnitt tun dies 1,3 Millionen Menschen pro Jahr und genießen für eine kurze Zeit das Gefühl, Schlossherr zu sein.

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