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Einmal um den Gardasee

Von der Antike bis zur Neuzeit sind sich Poeten aller Länder einig, dass der Gardasee einer der schönsten ist, den sie je zu Gesicht bekamen. Schon die römischen Dichter Vergil und Catull haben den Lacus Benacus besungen. Für Goethe war der See ein "köstliches Schauspiel", Kafka erschien der Süden "nie wieder so liebenswürdig und großartig" wie an den Gestaden des Gardasees.

Anderen Schöngeistern hat es vor allem seine Farbe angetan. "Eitel Schönheit im blau glänzenden Seidengewande" jubilierte Heinrich Laube, Herausgeber der "Zeitung für die elegante Welt", im Jahre 1834. Er hielt den See gar für "die erste italische Jungfrau, welche dem blonden Germanen, der von den Alpen heruntersteigt, mit dunklem südlichem Blicke ins Herz hineinsieht". Schwülstig im Ton, aber trotzdem treffend. Und noch immer aktuell: Bis heute ist der Gardasee das Sinnbild der deutschen Sehnsucht nach Italien, nach dem Süden. Vor allem im Herbst, der idealen Zeit für eine Reise rund um denselben.

Riva del Garda (Start)

Den Stress der Anreise vergessen macht das "Hotel du Lac et du Parc". Das Vier-Sterne-Haus in Riva, das 1880 schon Friedrich Nietzsche begeisterte, ist eines der stilvollsten klassischen Hotels am See, behutsam renoviert, ohne die Patina zu zerstören. Im sieben Hektar großen Park am See sorgen Bäche, Teiche, Fontänen und mediterrane Flora für Verzückung sowie Pool, Wellness-Center und direkter Zugang zum Strand für Entspannung.

Riva war schon im 19. Jahrhundert ein beliebter Kurort. Seine venezianischen Paläste, die achteckige Barockkirche, die von Wasser umspülte Scaligerburg Rocca begeisterten Thomas Mann, Rainer Maria Rilke und Arthur Schopenhauer. Nach steilem Aufstieg zur Bastione, der venezianischen Festungsruine von 1508, hat man einen Postkarten-Ausblick auf Ort und See. Die Liegestühle der Chalet-Bar verführen ebenso zum Bleiben wie das exklusive Ristorante "Villa Negri".

Von oben lässt sich die bizarre Schönheit des von Felswänden gesäumten fjordartigen Nordteils des Sees ohnehin am besten genießen. Das werden Ihnen die Freeclimber, die in Scharen die Felswände der Brenta-Gruppe westlich von Riva hinaufklettern, gern bestätigen. Ein Ausflug dort hinauf ist allerdings nur geübten Kletterern zu empfehlen.

Malerisch am Berg: Limone (10 km)

Spektakulär ist der Blick auf den See aber auch vom Auto aus – auf der Gardesana Occidentale, der westlichen Uferstraße, die dem abgeschiedenen Ort Limone erst 1932 eine Straßenverbindung bescherte. 14 Tunnels und Galerien mit Ausguck machen die Uferstraße zu einer der großartigsten Panoramastraßen Italiens. Limone mit seinen engen Gässchen klebt seit 1000 Jahren wie ein Schwalbennest am Fuß des schroffen Bergs Dosso dei Roveri – ein wahrer Malerwinkel, der im Herbst, wenn sich die Urlauber nicht drängeln, besonders schön ist.

Auf der Schauderterrasse von Pieve de Tremósine (10 km)

Gute Autofahrer wagen einen Abstecher auf die Hochebene – auf einer kühnen Bergstraße, die sich in engen Serpentinen die Steilwände auf gut 2000 Meter hinaufwindet. Mit Blumenbalkonen und sauberen Gässchen entzückt das 100-Seelen-Nest Pieve – dem man auf Anhieb den ersten Preis im Wettbewerb "Unser Dorf soll schöner werden" zusprechen möchte. Nervenkitzel pur bringt die "Schauderterrasse" des Hotel-Restaurants "Miralago": 350 Meter geht es von hier schroff in die Tiefe.

Zitrusgärten in Gargnano (28 km)

Neben den Zitrusgärten am Berghang gibt es hier auch steinerne Zitrusfrüchte zu bewundern: Im spitzbogigen Kreuzgang des Klosters San Francesco von 1289 sind – ziemlich einmalig in Italien – in die Säulenkapitelle Zitronen und andere Südfrüchte eingemeißelt. Weiteres Schmuckstück des Ortes ist die neoklassizistische Villa Feltrinelli direkt am Seeufer. Im Krieg war sie vorübergehend das Domizil von Mussolini, heute ist sie ein Grandhotel mit Grandezza.

Gartenstadt Gardone Riviera (10 km)

Mit einer eleganten autofreien Seepromenade und abendlicher Orchestermusik lockt Gardone Riviera, die "Gartenstadt". Ihren Namen verdankt sie dem 1920 von dem Arzt Arthur Hruska angelegten botanischen Garten, unter neuem Besitzer Fondazione André Heller genannt (fünf Euro Eintritt).
Sehenswert ist in Gardone vor allem der Park- und Wohnkomplex des exzentrischen italienischen Dichters Gabriele d'Annunzio (1863-1938), der dem Ort das pompöse "Vittoriale degli Italiani" bescherte, das Siegesdenkmal der Italiener. Sein Palazzo wurde zum Kunsttempel, der Park strotzt vor Kuriositäten – hier sind beispielsweise ein Torpedoboot, d'Annunzios uralter Fiat und der Bug des Schlachtschiffs "Puglia", das er 1919 befehligte, ausgestellt.

Italienisches Flair in Saló (3 km)

Saló liegt malerisch an einer hufeisenförmigen Bucht und ist der "italienischste" Ort am See. Was wiederum die hohe Qualität der Restaurants und die enorme Boutiquen-Dichte erklärt. Sehenswert ist vor allem der spätgotische Dom mit seinem prachtvollen Renaissance-Portal aus weißem Marmor. Nach Süden hin, zwischen San Felice und Manerba, erstrecken sich feine, lange Kiesstrände. Oberhalb der Küste lädt die hügelige Valtenési-Weinregion zum Wandern ein.

Städtisches Leben in Desenzano (15 km)

Desenzano ist mit rund 27 000 Einwohnern die größte Stadt am Gardasee. Das allgegenwärtige Geknatter der Motorroller, die vielen Straßencafés und die charakteristischen Laubengänge in der Altstadt verleihen dem Ort sein reizvolles mediterranes Flair. Für Kunstfreunde sind der farbige Mosaikboden einer römischen Badevilla (aus dem dritten Jahrhundert) und Tiepolos "Letztes Abendmahl" in der Pfarrkirche ein Muss. Shoppingfans sollten sich den Dienstag vormerken: An diesem Tag findet – bereits seit dem Mittelalter – an der Seepromenade regelmäßig ein üppiger Wochenmarkt statt.

Herrschaftlich: Sirmione (7 km)

"Ich habe große Sehnsucht nach Sirmione", verriet die Sopransängerin Maria Callas kurz vor ihrem Tod einem Freund. Ihr Ehemann besaß auf der ganz im Süden in den See hineinragenden Halbinsel eine herrschaftliche Villa. Meist saß die Diva mit ihren Pudeln im 100 Jahre alten "Caffè Grande Italia" bei Campari-Soda (für sich, nicht für die Hunde), oder sie studierte in der Küche die Rezepte. Spezialität des Hauses ist eine Cedrata, hergestellt aus dem Saft der Cedro, einer Zitrusfrucht im XXL-Format. Herrlich erfrischend! Ansonsten ist Sirmione Romantik pur – von der Wasserburg der Scaliger bis zu den Ruinen einer altrömischen Villa ganz an der Spitze der Landzunge, die im Volksmund "Grotten des Catull" genannt werden.

Romantisch: Punta San Vigilio (25 km)

Nun geht es am Ostufer entlang – der so genannten Olivenriviera – über Bardolino (Rotwein) und Garda (venezianische Paläste) zur nächsten Landzunge namens Punta San Vigilio. Sie ist einer der romantischsten Flecken am gesamten See, den man weltweit zu schätzen weiß: In der exklusiven "Locanda San Vigilio" (www.locanda-sanvigilio.it/de/) nächtigten beispielsweise Winston Churchill, Vivian Leigh und Prinz Charles.

Auf Goethes Spuren in Malcesine (32 km)

Goethe erlag 1786 dem Zauber des Gassenlabyrinths von Malcesine und der imposanten Scaligerburg. Weil er sie zeichnete, machte er sich verdächtig – beinahe hätte man ihn damals als Spion verhaftet. Wer auf den Spuren des Dichters wandeln will, sollte bequemes Schuhwerk wählen: Das Kopfsteinpflaster ist bucklig wie der Glöckner von Notre-Dame.

Mekka der Windsurfer: Torbole (16 km)

Bei Torbole am nordöstlichen Zipfel des Sees geht unsere Rundreise zu Ende. Hier haben Sie vor dem Heimweg die letzte Chance, noch eine Runde auf dem Wasser zu drehen. Entweder per Ausflugdampfer für eine romantische Bootspartie. Oder auf einem Surfbrett: Torbole gilt dank des Südwinds Ora, der hier für Wellengang wie auf dem offenen Meer sorgt, als Italiens Mekka der Windsurfer.

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