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Teneriffa, die spektakuläre Naturschönheit

Maria beugt sich weit über die Reling und beobachtet durch den Sucher ihrer Kamera das Meer. Langsam gleitet der Katamaran durch die Wellen. An Bord der „One 4 You“ wird es still. Die Passagiere verfolgen vom Deck aus jede Bewegung im Wasser. „Da sind sie“, sagt Maria leise. Blitzschnell werden die Segel eingeholt, nahezu geräuschlos dümpelt das Schiff nun im Wasser. Und dann tauchen sie auf. Zuerst sind es nur drei oder vier, doch schnell werden es immer mehr, die das Boot umkreisen. „Sie sind einfach nur neugierig“, sagt die junge Meeresbiologin.

Whalewatching mit Respekt

Die Begegnung mit Walen ist für viele Touristen das Highlight einer jeden Urlaubsreise nach Teneriffa. Die riesigen Meerestiere einmal aus der Nähe sehen – doch es gibt klare Regeln: „Wir verzichten auf wilde Verfolgungsjagden, halten Abstand zu den Walen, streicheln und füttern sie nicht“, sagt Maria. Whalewatching auf eine sanfte Weise ist eine Idee, die immer mehr Anerkennung findet. Zum Schutz der Tiere wird zum Beispiel „Futourist“ als Projekt des Jahres gefördert – eine touristische Nachhaltigkeitsinitiative, vom Reiseveranstalter TUI gegründet, die sich für Umweltschutz und Erhalt der biologischen Vielfalt engagiert.
550 Wale leben vor der Südküste der spanischen Urlaubsinsel. Es ist ein idealer Lebensraum: Das Wasser ist ruhig und bis zu 3000 Meter tief. Und es gibt genügend Nahrung – ein ausgewachsener Wal frisst täglich 40 Kilo Tintenfisch. Nach zwei Stunden lässt der Kapitän vorsichtig die Segel hissen. Langsam gleitet die „One 4 You“ zurück in den Hafen von Puerto Colón.

Jährlich werden 300.000 neue Bäume gepflanzt

Teneriffa, die größte der sieben kanarischen Hauptinseln, nur 250 Kilometer von Afrika entfernt, gehört zu den beliebtesten Urlaubszielen Europas. Fünf Millionen Feriengäste kommen jedes Jahr, unter ihnen 680 000 Deutsche. Das Wetter auf der „Insel des ewigen Frühlings“ wird als das gesündeste der Welt bezeichnet. Im Winter liegen die durchschnittlichen Höchsttemperaturen bei 20 bis 22 Grad, im Sommer steigt das Thermometer selten über 30 Grad.

Wir sind mit Teneriffas prominentestem Naturschützer verabredet: mit Dr. Ricardo Melchior, dem Präsidenten des Inselrates. „Die Natur ist unser wichtigstes Gut“, sagt er. Die Hälfte der Insel steht unter Naturschutz, der größte Teil davon ist Wald. Jedes Jahr werden 300.000 neue Bäume gepflanzt. Doch der Präsident betont auch: „Ohne Urlauber sind wir nicht lebensfähig.“

Der Regierungschef spricht perfekt Deutsch. Sein Großvater war Rechtsanwalt in Hamburg, auch sein Vater lebte in der Hansestadt, bis er sich auf Teneriffa niederließ. Ricardo und seine drei Brüder wurden auf der Insel geboren. Er ist also ein Tinerfeño, ein Einheimischer Teneriffas, doch regelmäßig besucht er die Stadt seiner Vorfahren. Der 64-Jährige lebt mit seiner Ehefrau am Rande von La Laguna, einer Universitätsstadt mit alten Adelshäusern und Stadtpalästen.

Geheimtipp: Die Altstadt von La Orotava

 Auf die Frage, was Teneriffas Feriengäste sich unbedingt ansehen sollten, ist seine Antwort kurz und knapp: „Natürlich die ganze Insel.“ Seine persönlichen Tipps: La Orotava mit seiner denkmalgeschützten Altstadt und Garachio, das vor 300 Jahren unter heißen Lavaströmen begraben wurde und heute zu Teneriffas reizvollsten Orten gehört. „Doch unseren Teide dürfen Sie auf keinen Fall verpassen.“ Urlaubstipps für Teneriffa sind immer wichtig.

Es ist auch ein Hamburger, der mich bei meiner Inseltour begleitet. Jürgen Schumann stammt aus Eimsbüttel und wanderte 1965 nach Spanien aus. Ich habe mich mit dem Mittsiebziger in Santa Cruz in der Bar Atlantico am Plaza de Espana verabredet. Santa Cruz ist heute ein Geheimtipp. Viele Jahre von Urlaubern gemieden, hat die Hauptstadt ihr Erscheinungsbild aufpoliert. Baufällige Häuser wurden restauriert. Überall gibt es mit Palmen gesäumte Fußgängerzonen. Santa Cruz entwickelte sich zu einer beliebten Einkaufsstadt. Im Hafen gehen immer mehr Kreuzfahrtschiffe vor Anker. Die meisten Restaurants haben internationalen Standard. „Man speist gut und teuer“, erzählt Schumann.

In Spaniens höchstem Berg, dem Vulkan Teide, brodelt es noch

Die Stadt ist aber auch ein Ort mit Geschichte. Das Museo de la Naturaleza y del Hombre (Museum für Natur und Mensch) zum Beispiel zeigt die Schönheit des kanarischen Archipels. Hier ist auch die Epoche der Ureinwohner dokumentiert, der Guanchen, die offensichtlich von Wüstenbewohnern der Sahara abstammen. Sie besiedelten vor 3000 Jahren Teneriffa. Das markanteste Gotteshaus von Santa Cruz ist Iglesia de Nuestra Senora de la Concepción. Der Turm der Kirche gilt als das Wahrzeichen der Stadt.

„Und jetzt zeige ich Ihnen noch eine Badebucht, die viel schöner ist als die Strände im Süden“, sagt Jürgen Schumann. Wir fahren acht Kilometer nordöstlich Richtung San Andrés. Vor uns breitet sich ein zwei Kilometer langer Sandstrand aus: der Playa de las Teresitas. In San Andrés wird der frischeste Lubina serviert, ein weißer Fisch, der in abgesperrten Revieren draußen vor der Küste gezüchtet wird. Und dazu gibt es einen trockenen weißen Malvasia.

Es geht weiter zum Pico del Teide im Inselinneren. Die anderthalbstündige Autofahrt dorthin ist ein kleines Abenteuer. Spaniens höchster Berg, 3718 Meter hoch, ein Vulkan, in dem es immer noch brodelt, war zuletzt 1909 ausgebrochen. Der Gipfel ragt aus einem Urkrater, einer bizarren, etwa 2000 Meter hohen Vulkanlandschaft, steil in den blauen Himmel. Der schweißtreibende Aufstieg dorthin dauert vier Stunden. Hier oben gibt es etwa 200 Pflanzen- und Tierarten, die sonst nirgendwo zu finden sind: diverse Veilchen und Moosarten sowie Eidechsen und der legendäre Teide-Fink.

Der Teide-Nationalpark, Spaniens meistbesuchter Park, ist etwa drei Millionen Jahre alt. Damals hat es hier wahrscheinlich einen Urvulkan gegeben, der bei einem gewaltigen Erdbeben eingestürzt ist. Wir nähern uns dem Berg von Norden. Die Küste bleibt weit hinter uns. Das Auto quält sich die schmale Straße durch dichte Kiefernwälder nach oben. „Die Nadeln der Kiefern sind die Lebensadern der Insel. Sie garantieren unsere Wasserversorgung“, hatte mir der Präsident erzählt. Sie melken die Wolken, saugen das Wasser auf und führen es in den Boden ab. Das wertvolle Nass wird im Vulkangestein gesammelt und später abgezapft.

Der Teide beeindruckte schon Alexander von Humboldt.
Es klart auf. Zum Vorschein kommt ein unglaubliches Panorama: überall schwarzes Lavagestein, gelblich-weißer Sand und bizarre Felsformationen. Eine Mondlandschaft mit dem Vulkankegel des Pico del Teide mittendrin. „Welch ein Anblick! Welch ein Genuß!“ schrieb schon 1799 der weltbekannte deutsche Naturforscher Alexander von Humboldt in sein Tagebuch.
Und das gilt auch heute noch. Die klare Luft und geringe Lichtbeeinflussung durch Städte sind der Grund, warum hier oben in 2500 Metern Höhe die Sternwarte mit dem größten Sonnenteleskop der Welt steht. „Nirgendwo“, sagt Ricardo Melchior, „gibt es einen schöneren Blick zu den Sternen.“

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